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Bergbau Brasilien: Erz gesucht – Amazonas verloren

Bauxitabbau im Amazonas. (Foto: Joao Ramid)

Rohstoffabbau im brasilianischen Amazonas: Klimapolitik in der Sackgasse

1. Ausgangslage: 1,5-Grad-Ziel überschritten

Der Rohstoffabbau im brasilianischen Amazonasgebiet steht sinnbildlich für die Widersprüche der globalen Klimapolitik. Obwohl 2015 in Paris vereinbart wurde, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, wurde diese Grenze bereits 2024 erstmals überschritten. Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre erreicht neue Höchststände; erste Klimakipppunkte wurden 2025 überschritten.

2. Dekarbonisierung erhöht den Druck auf Rohstoffe

Regierungen reagieren mit Vorhaben zur Dekarbonisierung der Wirtschaft. Jedoch steigern diese Strategien den Bedarf an metallischen Rohstoffen deutlich – insbesondere dann, wenn der absolute Ressourcenverbrauch nicht an anderer Stelle sinkt. Zugleich fließt nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Rohstoffe direkt in die Energiewende.

3. Bergbau in Schutzregionen: gravierende Folgen

Zur Rohstoffgewinnung werden Bergbauprojekte auch in Regionen mit hoher Biodiversität und großer Bedeutung für den Klimaschutz vorangetrieben. Das hat gravierende Folgen für:

  • die dort lebenden Menschen, insbesondere indigene und traditionelle Gemeinschaften
  • Umwelt und Artenvielfalt
  • das regionale und globale Klima

4. Amazonasgebiet: Abbau, Infrastruktur, Verschmutzung

Das Hintergrundpapier zeigt, wie der Abbau von Metallerzen wie Aluminium, Eisen oder Kupfer im brasilianischen Amazonasgebiet Wälder zerstört, Flüsse verschmutzt und Lebensräume sowie Rechte indigener und traditioneller Gemeinschaften bedroht. Im Fokus steht nicht nur der Abbau selbst, sondern auch die Infrastruktur für Verarbeitung und Export, die zusätzliche Eingriffe in sensible Ökosysteme verursacht.

5. Internationale Lieferketten: Verantwortung von Deutschland und EU

Die geförderten Rohstoffe gelangen über internationale Lieferketten bis nach Deutschland und in die EU. Sie stecken unter anderem in Autos, Infrastrukturprojekten und Konsumgütern. Deutschland und die EU tragen durch Nachfrage, Importstrukturen und Konsummuster eine entscheidende Verantwortung entlang globaler Lieferketten.

6. Zentrale Leitfrage: Ressourcenverbrauch senken, Lebensgrundlagen schützen

Vor diesem Hintergrund stellt sich die zentrale Frage: Wie können wir weniger Ressourcen verbrauchen und Lebensgrundlagen, Biodiversität und Menschenrechte wirksam schützen?

7. Beispiel Niob – Rohstoffpolitik im Widerspruch zur Klimapolitik

Der Steckbrief Niob – Metall zwischen Energiewende, Hightech und Aufrüstung verdeutlicht exemplarisch, wie rohstoffpolitische Entscheidungen die Ziele von Klima- und Biodiversitätsschutz unterlaufen können. Niob wird häufig als Schlüsselmaterial der grünen Transformation beworben, spielt bislang jedoch vor allem in der Rüstungs- und Schwerindustrie eine zentrale Rolle. Über 80 Prozent der weltweiten Förderung stammen aus Brasilien und sind mit massiven Umweltzerstörungen, Wasserverschmutzung sowie Menschenrechtsverletzungen verbunden – unter anderem in ökologisch sensiblen Regionen. Der Steckbrief zeigt, warum eine Ausweitung des Abbaus klimapolitisch nicht notwendig ist und stattdessen Verbrauchsreduktion, Priorisierung gesellschaftlich notwendiger Anwendungen sowie verbindliche menschenrechtliche und ökologische Sorgfaltspflichten zentral für eine kohärente Rohstoff- und Klimapolitik sind.

8. Politische Schlussfolgerung: Rohstoff- und Klimapolitik gemeinsam denken

Die Klimakonferenzen müssen diese Zusammenhänge aufgreifen. Eine gerechte Rohstoff- und Klimapolitik kann nur gelingen, wenn Klimaschutz, Ressourcensuffizienz und der Schutz sensibler Ökosysteme sowie betroffener Gemeinschaften zusammen gedacht und politisch verbindlich umgesetzt werden.

Veröffentlichung und Förderung
Zusammenarbeit

In Zusammenarbeit mit dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika (FDCL) und der Kooperation Brasilien (KoBra) veröffentlicht.

Diese Publikation wird von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.

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