Klimapolitik,Rohstoffpolitik

Metalle für die Energiewende

Metalle für die Energiewende

Metallverbrauch von erneuerbarer geringer als von fossiler Energieproduktion

Die Energieproduktion, egal ob fossil oder erneuerbar, benötigt große Mengen an Metallen. Industrie und Politik nutzen die prognostizierten steigenden Metallbedarfe für den Ausbau der Erneuerbaren derzeit häufig als Legitimation für die Ausweitung des Bergbaus. „Unabhängig davon, ob wir über [Computerchips] sprechen oder über Speicherzellen für Solaranlagen – Der Zugang zu Rohstoffen ist entscheidend für den Erfolg unserer Transformation hin zu einer nachhaltigen und digitalen Wirtschaft. Lithium und seltene Erden werden bald wichtiger sein als Öl und Gas“, erklärte Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union im September 2022. Oft werden Lithium und Kobalt in diesem Kontext angeführt, obwohl sie hauptsächlich in Autobatterien und nicht zur erneuerbaren Energie Produktion benötigt werden. Die Analyse von PowerShift mit Daten des Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST)[1] zeigt jedoch, dass die erneuerbare Energieproduktion keinen wesentlich größeren Bedarf an Metallen hat als fossile Energien.

Im Gegenteil, manche erneuerbare Energietechnologien, etwa kleine Wasserkraftwerke oder auf Dächern montierte PV-Anlagen, schneiden deutlich besser ab als zum Beispiel fossile Kohlekraftwerke. Für eine Megawatt Stunde Strom werden etwa 340g Metalle in einem Kleinwasserwerk benötigt, in einem Kohlekraftwerk sind es bis zu 3.920g. Ein Kohlekraftwerk braucht so etwa zehn- bis elfmal so viele Metalle pro Megawattstunde wie ein kleines Wasserkraftwerk. Obwohl der Ausbau erneuerbarer Energietechnologien große Mengen an Metallen benötigt, ist die Materialintensität deutlich geringer, da bei Gas- und Kohlekraftwerken zusätzlich die verbrannten fossilen Rohstoffe hinzugerechnet werden müssen.

[1] aus der UNECE-Studie Carbon Neutrality in the UNECE Region: Integrated Life-cycle Assessment of Electricity Sources

Windkraftanlagen benötigen deutlich weniger kritische Rohstoffe als die fossile Energieproduktion

Diagramm Bedarf kritische Rohstoffe EnergietechnologienGerade die Europäische Union rechtfertigt die Ausweitung weltweiter Bergbauvorhaben für kritische Rohstoffe mit den Bedarfen für erneuerbare Energien. Wie Daten des LIST zeigen, benötigen Windkraftanlagen pro Megawattstunde Energie jedoch deutlich weniger der 30 von der EU als kritisch eingestuften Rohstoffe als die fossile Energieproduktion.

 

Allein im Jahr 2030 brauchen Batterien in E-Autos von Volkswagen fast 10 Mal mehr Aluminium und Nickel als der gesamte Ausbau der Windkraft in Deutschland bis dahin

In der Studie hat PowerShift die Berechnungen der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) zum Materialverbrauch für den Ausbau der Windkraft- und Solaranlagen in Deutschland der Nachfrage an Rohstoffen für die Elektromobilität gegenübergestellt. Dabei fallen zwei Dinge auf: Zum einen spielen Lithium und Kobalt keine bedeutende Rolle für den Ausbau der Wind- und Solarkraft. Zum anderen könnten allein die Antriebsbatterien der elektrischen Volkswagen, die im Jahr 2030 produziert werden, etwa zehnmal so viel Aluminium und Nickel benötigen wie der gesamte geplante Zubau an Windkraftanlagen in Deutschland von heute bis dahin. Gerade bei Massenrohstoffen wie Aluminium, Nickel oder Kupfer könnte die Entwicklung des Individualverkehrs somit in Konkurrenz um notwendige Metalle für den Ausbau erneuerbarer Energietechnologien stehen.

Rohstoffwende und Energiewende müssen zusammengedacht werden

Für eine effektive Bekämpfung des Klimawandels ist der Ausbau erneuerbarer Energieinfrastruktur im Gegensatz zum Ausbau fossiler Energieträger essenziell. Dieser Ausbau und der damit einhergehende Metallbedarf rechtfertigen in keiner Weise mögliche soziale und ökologische Auswirkungen sowie globale Ungerechtigkeiten beim Rohstoffabbau. Vielmehr verdeutlichen unsere Ergebnisse die Dringlichkeit, unseren Umgang mit Rohstoffen im Sinne einer Rohstoffwende zu transformieren. Dies bedeutet zum einen, dass metallische Rohstoffe, auch solche, die für erneuerbare Energietechnologien benötigt werden, unter den höchstmöglichen ökologischen und sozialen Standards abgebaut werden müssen. Zudem ist es essenziell, den absoluten Verbrauch an metallischen Rohstoffen zu senken. Ein wichtiger Hebel sind sektorspezifische Ziele. Hier ist der Energiesektor anders gefordert als zum Beispiel der Mobilitätssektor: Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist alternativlos und prioritär zu behandeln, während im Mobilitätsbereich eine schnelle Abkehr des motorisierten Individualverkehr initiiert werden muss. Gleichermaßen spielt der Ausbau einer zirkulären Ökonomie mit einem Fokus auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und einem auf Kreislaufführung der Rohstoffe ausgelegten Produktdesign eine zentrale Rolle.

Autor*innen
Michael Reckordt