Rohstoffpolitik

Erdüberlastungstag: Gründe für eine Rohstoffwende

Titelbild Rohstoffwende

Ein anderer Umgang mit Ressourcen ist notwendig

Unser Rohstoffhunger ist alles andere als nachhaltig, daran zweifelt kaum noch jemand. Der so genannte Erdüberlastungstag bezeichnet das Datum, bis zu dem die Menschheit jedes Jahr so viele natürliche Ressourcen verbraucht und so viel CO2 ausgestoßen hat, wie ökologisch verträglich wäre. Der Tag rückt immer weiter nach vorne, 2022 lag er global gesehen am 28.Juli. Der deutsche Erdüberlastungstag war sogar bereits am 4. Mai.

„Deutschland gehört zu den fünf größten Rohstoffverbrauchern weltweit. Allerdings werden praktisch alle bergbaulich gewonnenen Metalle im Ausland – häufig in Ländern des globalen Südens – abgebaut“, heißt es im Einleitungsartikel zu diesem Dossier. Die Rohstoffförderung geht häufig mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltkatastrophen einher. Und wer gegen Bergbau protestiert, lebt gefährlich: Laut der Nichtregierungsorganisation Global Witness wurden im vergangenen Jahr weltweit 200 Land- und Umweltschützer*innen umgebracht, mindestens ein Viertel davon im Zusammenhang mit der Rohstoffproblematik.

Das sind nur einige der Gründe für eine Rohstoffwende. Diese müsste unter anderem den Ressourcenverbrauch deutlich verringern. Das bedeutet auch, unsere Mobilitäts-, Produktions- und Konsummuster zu verändern. Menschenrechts- sowie Umweltstandards müssten erhöht und umgesetzt werden. Dies würde auch die Betroffenen in den Abbaugebieten schützen und die Zivilgesellschaft stärken.

Hoffnung auf eine Verbesserung der Menschenrechtssituation macht das deutsche Lieferkettengesetz, das Unternehmen ab 2023 entlang ihrer Lieferkette Sorgfaltspflichten auferlegt. Doch das Gesetz hat Schwächen. Zivilgesellschaftliche Organisationen setzen auf eine Nachbesserung auf EU-Ebene.

Klar ist, dass auch der ökologische Umbau von Energie und Mobilität große Mengen an Rohstoffen benötigt. Diese wollen viele Staaten und Unternehmen am liebsten bald auch am Meeresboden gewinnen. Dies aber würde irreparable Schäden für die maritimen Ökosysteme mit sich bringen, wie Maureen Penjueli in ihrem Artikel über Tiefseebergbau ausführt. Es kann daher nicht darum gehen, etwa den bisherigen Individualverkehr ohne fossile Brennstoffe, aber auf Grundlage anderer Rohstoffe weiterzuführen.

Ein Ausweg wäre eine Kreislaufwirtschaft, in der die verwendeten Rohstoffe recycelt werden anstatt auf dem Müll zu landen. Dabei stehen vor allem die urbanen Zentren in der Pflicht. Denn diese „sind global für bis zu 70 Prozent der Treibhausgasemissionen und des Rohstoffverbrauchs verantwortlich“, schreibt Julius Neu in seinem Text über die Zero Waste-Strategie in Berlin. „Nicht nur der Kampf gegen die Klimakrise, sondern auch für die Rohstoffwende wird daher zu einem guten Teil in Städten gewonnen oder verloren.“

Bei diesem Kampf ist Druck auf die Politik nötig, um die notwendigen Schritte einzuleiten.

Gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des BMZ

 

Autor*innen
Michael Reckordt