Publikation,Rohstoffpolitik

Lieferketten der E-Tabakindustrie

E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Wasserpfeifen

Anlässlich der 20. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle am 7./8. Dezember 2022 veröffentlichen Unfairtobacco und PowerShift drei Factsheets zu den Lieferketten von E-Zigaretten, Tabakerhitzern und Wasserpfeifen. Darin werden die Bedingungen und Folgen des Rohstoffabbaus von Lithium, Kupfer und Bauxit näher betrachtet. Tabakkontrolle, unternehmerische Sorgfaltspflichten und eine Rohstoffwende werden als Handlungsfelder in den Blick genommen.

Die Lieferketten von E-Zigaretten und anderen Nikotinprodukte sind weit komplexer als die Lieferketten von herkömmlichen Zigaretten. Sie beinhalten nicht nur Tabak oder extrahiertes Nikotin. Die elektronischen Produkte enthalten zahlreiche Rohstoffe, die durch Bergbau gewonnen werden müssen. In Mikroprozessoren sind zum Beispiel sogenannte Konfliktmineralien, d.h. Wolfram, Zinn, Tantal und Gold verbaut. Lithium-Ionen-Batterien liefern die Energie für E-Zigaretten und Tabakerhitzer und enthalten Lithium, Kupfer und Bauxit (für Aluminium). Der Abbau dieser drei Rohstoffe wird in den kommenden Jahren aufgrund der forcierten Elektromobilität stark zunehmen.

Neben Maßnahmen zur Reduzierung des Konsums von Tabak- und Nikotinprodukten sind eine gesetzliche Pflicht zur unternehmerischen Sorgfalt sowie eine Wende in der Rohstoffpolitik notwendig, um eine nachhaltige Entwicklung voran zu bringen.

E-Zigaretten

Das Factsheet zu E-Zigaretten legt das Augenmerk auf den Lithium-Abbau in den andinen Gebieten in Südamerika. Dafür wird enorm viel Wasser verbraucht in Gebieten mit empfindlichen Ökosystemen, die sich durch Wasserknappheit auszeichnen. Außerdem werden die Rechte indigener Gemeinschaften massiv verletzt, denn durch den Abbau werden ihnen die Lebensgrundlagen entzogen.

Besonders besorgniserregend ist der Trend zur Einweg-E-Zigarette (Disposable), der nicht nur in Deutschland zu beobachten ist. In Einweg-E-Zigaretten sind, ebenso wie in auffüllbaren E-Zigaretten, Lithium-Ionen-Batterien verbaut. Sie werden mit dem Gerät weggeworfen. So werden wiederaufladbare Batterien einfach nicht weiterverwendet. Außerdem wird nach Einschätzung der Entsorgerverbände der Elektroschrott meist nicht dem Recycling zugeführt, sondern einfach in den Restmüll geworfen.

Pro Monat werden nach Industrieangaben 5 Millionen Disposables nach Deutschland importiert. Sie machen etwa 40% des Geschäfts mit E-Zigaretten aus. Geht man von einem Gehalt von 0,15 Gramm Lithium pro Einweg-E-Zigarette aus, so enthalten diese Importe 750 Kilogramm Lithium. Damit könnten 250.000 Akkus für Smartphones produziert werden.

Tabakerhitzer

Das Factsheet zu Tabakerhitzern spricht beispielhaft die Verwendung von Platin im Heizblatt, Konfliktmineralien in den Mikroprozessoren und den Eisenerzabbau für Produktteile aus Edelstahl an. Schwerpunkt ist allerdings Kupfer, das als einer der vergessenen Rohstoffe in Lithium-Ionen-Akkus gilt. Zudem enthält ein Gerätemodell eines Tabakerhitzers auch Kupferdraht zur Erhitzung des Tabaks.

Kupferabbau findet vornehmlich in Chile, Peru, der Demokratischen Republik Kongo und China, aber auch auf den Philippinen statt. Das Auswaschen des Erzes aus dem Gestein benötigt sehr viel Wasser und ist mit dem Einsatz von Chemikalien verbunden, die die Umwelt rund um die Minen vergiften. Die hohe Konzentration an Schwermetallen in den Lagerstätten und daraus resultierend belastete Grubenabwässer bedrohen das Trink- und Grundwasser und sind eine große gesundheitliche Gefahr für Mensch und Umwelt.

Wasserpfeifen

Auch in Wasserpfeifen (Shishas / Hookahs) sind Rohstoffe verbaut, zum Beispiel als Rauchsäule aus Edelstahl oder Aluminium. Außerdem wird beim Shisha-Rauchen eine Aluminiumfolie benötigt, die zwischen Tabak und Kohle platziert ist. Schwerpunkt im Factsheet zu Wasserpfeifen ist daher Bauxit, der Rohstoff, aus dem Aluminium hergestellt wird.

Das in Deutschland genutzte Bauxit wird fast ausnahmslos aus Guinea in Westafrika importiert, wo die weltweit größten Bauxitreserven lagern. Der Abbau geht mit Zwangsumsiedlungen, starker Staubbelastung und Wasserverschmutzung sowie der Zerstörung von fruchtbarem Land einher.

Handeln: Tabakkontrolle, Sorgfaltspflichten, Rohstoffwende

Auch wenn die Mengen an Lithium, Kupfer oder Bauxit in den einzelnen Geräten und Accessoires vergleichsweise gering sind, so haben auch sie negative Auswirkungen auf eine nachhaltige Entwicklung. Sie gehen mit Verletzungen der Menschenrechte und mit massiver Umweltzerstörung einher. Für eine nachhaltige Entwicklung ist es daher notwendig, diese Auswirkungen zu reduzieren oder ganz zu verhindern.

Wirksame Maßnahmen der Tabakkontrolle dienen der Reduzierung des Tabak- und Nikotinkonsums und dem Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Suchtgefahren. Besonders wirksam sind beispielsweise Steuererhöhungen, ein umfassendes Werbeverbot und Präventionsprogramme, die spezifisch für einzelne Zielgruppen zugeschnitten sind.

Zu einem besseren Schutz der Umwelt und die Durchsetzung von Menschenrechten in den globalen Lieferketten müssen Unternehmen wirksam verpflichtet werden. Dafür sind Nachschärfungen am deutschen Lieferkettengesetz und ein starkes Lieferkettengesetz auf europäischer Ebene notwendig.

Für eine nachhaltige Entwicklung mit Achtung der planetarischen Grenzen genügt es allerdings nicht, die Lieferketten von Rohstoffen zu verbessern. Stattdessen ist es dringend notwendig, eine Rohstoffwende einzuleiten und den Abbau von Rohstoffen stark zu reduzieren. Dafür braucht es eine umfangreiche Kreislaufwirtschaft und ein Verbot von Produkten, die nicht in der Kreislaufwirtschaft nutzbar sind, z.B. Einweg-E-Zigaretten.

Gefördert durch ENGAGEMENT GLOBAL mit Mitteln des BMZ

 

Autor*innen
Michael Reckordt