Gemeinsame Pressemitteilung
Neue Studie zeigt: Europas Verkehr kann klimaneutral werden, gleichzeitig lässt sich der Verbrauch von Batteriemetallen reduzieren.
Berlin, 19. Oktober 2026: Eine heute veröffentlichte Studie kommt zum Ergebnis, dass Europa den Bedarf an Batteriemetallen reduzieren und gleichzeitig Klimaneutralität im Straßenverkehr erlangen kann. Der einseitige Fokus der europäischen Kommission auf neue Rohstoffquellen wird nicht ausreichen, um eine höhere strategische Autonomie zu erreichen (1). Allein durch Recycling könnte Europas Bedarf an Primär-Lithium und Nickel bis 2040 um bis zu 50% gesenkt werden, bei Kobalt sogar 70%. 40 Organisationen fordern die EU auf, zügig auf diese Erkenntnisse zu reagieren (2).
„Die EU wird die rohstoffpolitischen Herausforderungen nicht lösen, wenn es so agiert wie China oder die USA unter Donald Trump. Stattdessen sollte die EU an der Verbrauchsseite ansetzen und Schritte in eine ressourceneffiziente Zukunft einleiten“, betont Michael Reckordt, Leiter des Rohstoffprogramms bei PowerShift, und fügt hinzu: „Die Studie vom Öko-Institut zeigt deutlich, dass es bereits heute ein enormes Potenzial für Rohstoffeinsparungen gibt, es mangelt nur an politischen Maßnahmen dieses Potenzial zu heben (3). Der für November angekündigte EU Circular Economy Act sollte als Hebel dienen Abhängigkeiten zu verringern.“
Die Studie wurde vom Öko-Institut im Auftrag der Mitglieder der EU Raw Materials Coalition SOMO, Seas At Risk und PowerShift erstellt. Die Studienergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die EU eine Reihe wichtiger Entscheidungen vorbereitet, die Europas Ansatz in den Bereichen Rohstoffe, Verkehr und Industriepolitik (4) prägen werden, wie beispielsweise das EU-Kreislaufwirtschaftsgesetz.
Alejandro González, leitender Forscher für Klimagerechtigkeit bei SOMO, betont: „Europa braucht eine Strategie nicht nur dafür, woher seine kritischen Rohstoffe stammen, sondern auch dafür, wie viel es überhaupt tatsächlich benötigt. Die Senkung der des Verbrauchs ist für die wirtschaftliche und geopolitische Resilienz Europas unerlässlich. Kleinere, effizientere Fahrzeuge, mehr Recycling und eine weniger vom Auto abhängige Mobilität tragen dazu bei, den Rohstoffbedarf zu senken. Das verringert die Abhängigkeit von einer kleinen Anzahl von Lieferant*innen und mindert den Druck, neue Abbaugebiete zu erschließen.“
„Europa sollte den Bergbau nicht als einzigen Weg betrachten, um die für die Transformation benötigten Materialien zu sichern. Untersuchungen zeigen, dass Europa neue Bergbauprojekte durch andere Maßnahmen ersetzen kann, die bereits heute verfügbar und skalierbar sind. Das trägt auch dazu bei, den Druck zur Erschließung neuer Fördergebiete, einschließlich der Tiefsee, zu verringern“, sagt Simon Granberg, Referent für Tiefseebergbau bei Seas at Risk, und fügte hinzu: „Europa kann diesen Weg jetzt einschlagen, und ein ‚Business as usual‘ ausschließen, das Rohstoffgewinnung aus empfindlichen Ökosystemen und zunehmender Entsorgung auf Deponien zementiert.“
Medienkontakte:
Lisa Stüve, PowerShift, Lisa.stueve@power-shift.de, +49 (0) 157 777 64 847
Sara Tironi, Seas At Risk, stironi@seas-at-risk.org, +32 (0) 483 457 483
Laura Rincon, SOMO, laura@somo.nl, +31 (0) 686 658 413
HINWEISE FÜR DIE REDAKTION
(1) “Decarbonising Road Transport Beyond Mining-Intensive Pathways“ wurde von der Öko-Institut Consult gGmbH im Auftrag von SOMO, Seas At Risk und PowerShift im Rahmen der EU Raw Materials Coalition
durchgeführt, die beim Europäischen Umweltbüro (EEB) ihren Sitz hat. Die Koalition umfasst derzeit über 60 Mitgliedsorganisationen.
(2) 40 Organisationen fordern die EU auf, auf der Grundlage dieser Ergebnisse Maßnahmen zu ergreifen, um Europas Abhängigkeit von Primärmetallen für Batterien zu verringern. Die vollständige Liste finden Sie hier.
(3) Der Bericht identifiziert fünf mögliche Hebel auf EU-Ebene: (A) Recycling: Stärkung der Ziele für Batterierecycling und den Anteil an recycelten Materialien im Rahmen des EU-Kreislaufwirtschaftsgesetzes, der Batterieverordnung und des Gesetzes über kritische Rohstoffe. (B) Kleinere Fahrzeuge: Der „Automotive Omnibus“ und nationale Anreize sollten kleinere, erschwingliche und ressourceneffiziente Elektroautos fördern.
(C) Energieeffizienz: Die Überarbeitung der CO₂-Normen und die Richtlinie zur Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen sollten genutzt werden, um die Energieeffizienz von Fahrzeugen zu einem stärkeren politischen Kriterium zu machen. (D) Alternativen zur Autonutzung: Der EU-Haushalt 2028–2034, das TEN-V und die Pläne für nachhaltige städtische Mobilität sollten genutzt werden, um Investitionen in erschwinglichen öffentlichen Nahverkehr und aktive Mobilität zu stärken. (E) Verringerung unnötiger Fahrten: Das Gesetz für hochwertige Arbeitsplätze (Quality Jobs Act), Klima-Sozialfonds (Social Climate Fund) und das zweite EU-Emissionshandelssystem (ETS2) sollten nachhaltige Mobilität sowie Maßnahmen wie Telearbeit und die „Stadt der kurzen Wege“ fördern.
(4) Zu den derzeit laufenden, bedeutenden politischen Prozessen in der EU zählen das bevorstehende Gesetz zur EU-Kreislaufwirtschaft oder das „Automotive Omnibus“-Paket.
PowerShift ist eine deutsche Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Berlin. Wir arbeiten zu Themen der Handels- und Investitionspolitik, der Klima- und Ressourcengerechtigkeit, der Energiepolitik, der Rohstoffpolitik sowie zu Mobilität. Zu unseren Tätigkeiten zählen die Erstellung von Analysen und Hintergrundpapieren, Bildungs- und Informationsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Beteiligung an zivilgesellschaftlichen Kampagnen.
Seas At Risk (SAR) ist ein Zusammenschluss europäischer Nichtregierungsorganisationen, deren gemeinsames Ziel es ist, die marine Umwelt aller internationalen Gewässer zu schützen. Die Organisation arbeitet auf europäischer und internationaler Ebene und setzt sich für nachhaltige Umwelt- und Fischereigesetzgebung und Maßnahmen zum Schutz und Wiederherstellung der Meere ein.
SOMO, das Zentrum für Forschung zu multinationalen Unternehmen, untersucht die Auswirkungen und Triebkräfte ungerechtfertigter Unternehmensmacht. Unabhängig, sachlich und kritisch verfolgt sie ein klares Ziel – eine faire und nachhaltige Welt, in der öffentliche Interessen Vorrang vor Unternehmensinteressen haben.







