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Rohstoffwende statt Rohstoffrausch – Fakten & Forderungen für eine gerechte Rohstoffpolitik

Positionen
Rohstoffwende statt mehr Bergbau: 5 Fakten & Forderungen des AK Rohstoffe für Kreislaufwirtschaft und verbindliche Menschenrechte.

Die Rohstoffwende ist der wirksamste Weg aus der Abhängigkeit. Zu diesem Schluss kommt der AK Rohstoffe in seinem Papier „Fakten & Forderungen“ vom Oktober 2026. Das Bündnis aus über 30 Umwelt-, Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen fordert weniger Primärrohstoffverbrauch, eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft sowie starke Umwelt- und Menschenrechtsstandards.

Warum mehr Rohstoffabbau nicht aus der Abhängigkeit führt

Immer mehr Rohstoffe abzubauen, löst die Herausforderungen der Zukunft nicht. Es verschärft Ressourcenverschwendung, globale Ungerechtigkeiten sowie Umwelt- und Menschenrechtskonflikte, ohne die Abhängigkeit von anderen Ländern zu verringern.

Trotzdem setzt die EU mit dem Gesetz zu kritischen Rohstoffen (Critical Raw Materials Act, CRMA) weiterhin vor allem auf mehr Abbau. Gleichzeitig geraten Schutzstandards unter Druck, etwa durch die Abschwächung der EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD), geschwächte Umweltprüfungen und beschleunigte Genehmigungsverfahren.

Fünf Fakten und Forderungen zur Rohstoffwende

1. Lieferkettengesetze stärken Menschenrechte

Fakt: Betroffene weltweit nutzen das Lieferkettengesetz, um ihre Rechte einzufordern. Viele Unternehmen setzen sich erstmals systematisch mit menschenrechtlichen und ökologischen Risiken in ihren Lieferketten auseinander. Auch freiwillige Standards wie die Initiative for Responsible Mining Assurance (IRMA) gewinnen an Bedeutung: Rund 80 Prozent der in Deutschland zugelassenen Pkw stammen von IRMA-Mitgliedsunternehmen. Doch auch IRMA betont, dass freiwillige Regeln den gesetzlichen Rahmen nur ergänzen sollten.

Forderung: Das Schutzniveau des deutschen Lieferkettengesetzes erhalten und wirksam durchsetzen. Bei der Umsetzung der CSDDD in deutsches Recht bestehende Schwächen beheben, vor allem durch eine gut ausgestaltete Haftungsregelung und eine unabhängige Durchsetzungsbehörde.

2. Umwelt und Wasser wirksam schützen

Fakt: Nur rund neun Prozent der deutschen Flüsse, Seen und Küstengewässer sind in einem guten ökologischen Zustand. Die große Mehrheit verfehlt die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie. Rohstoffabbau erhöht den Druck auf Gewässer, Biodiversität und Ökosysteme zusätzlich.

Forderung: Die Wasserrahmenrichtlinie konsequent umsetzen, Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfungen ohne Abstriche sichern und besonders sensible Ökosysteme vor Rohstoffabbau schützen.

3. Wer betroffen ist, muss mitentscheiden

Fakt: Mehr als die Hälfte der Rohstoffvorkommen für Zukunftstechnologien liegt in oder nahe indigener Territorien. Dennoch wird das Recht indigener Völker auf freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC) bei Bergbauprojekten häufig missachtet.

Forderung: Zugang zu Informationen, wirksame Beteiligung sowie Beschwerde- und Abhilfeverfahren für Betroffene sicherstellen. Die Rechte indigener Völker, insbesondere FPIC, verbindlich umsetzen.

4. Weniger Rohstoffverbrauch schafft Versorgungssicherheit

Fakt: Rund 90 Prozent der weltweit eingesetzten Rohstoffe werden nur einmal genutzt. Eine konsequente Kreislaufwirtschaft könnte den Bedarf an neuer Primärförderung bis 2050 je nach Rohstoff um bis zu 40 Prozent senken. Sie könnte bis 2030 rund 700.000 Arbeitsplätze in der EU schaffen und in Deutschland bis 2045 eine zusätzliche Wertschöpfung von bis zu 880 Milliarden Euro ermöglichen.

Forderung: Langlebige Produkte, Wiederverwendung, Reparatur und hochwertiges Recycling gezielt fördern. Über die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie den Primärrohstoffverbrauch in Deutschland bis 2045 auf 7–8 Tonnen pro Kopf und Jahr senken. Mit einem ambitionierten Circular Economy Act der EU verbindliche Reduktionsziele festlegen, ohne zirkuläre Wertschöpfungsketten im Globalen Süden zu schwächen.

5. Öffentliche Gelder zukunftsfähig investieren

Fakt: Bei mindestens vier der dreizehn seit 2009 vergebenen Garantien für Ungebundene Finanzkredite (UFK-Garantien) der Bundesregierung gibt es öffentlich dokumentierte Hinweise oder Beschwerden zu Umwelt- und/oder Menschenrechtsproblemen. Dennoch fließen weiter öffentliche Mittel in strittige Projekte.

Forderung: Außenwirtschaftsförderung und Rohstofffonds an verbindliche Umwelt-, Menschenrechts- und Transparenzstandards koppeln. Umwelt- und Sozialprüfungen sowie Finanzierungsstrukturen vor jeder Förderentscheidung offenlegen. Öffentliche Mittel im Rohstoffsektor vorrangig in die Kreislaufwirtschaft investieren.

Was eine zukunftsfähige Rohstoffpolitik bedeutet

Eine Rohstoffpolitik im Sinne der Rohstoffwende verbindet Versorgungssicherheit, Umwelt- und Menschenrechtsschutz sowie globale Gerechtigkeit. Sie steht für:

  1. Weniger Ressourcenverbrauch und eine konsequente Kreislaufwirtschaft statt immer mehr Rohstoffabbau
  2. Starke und verlässliche Umwelt- und Menschenrechtsstandards statt ihrer Aufweichung
  3. Demokratische Beteiligung statt Beschleunigung um jeden Preis
  4. Globale Gerechtigkeit und Verantwortung statt Abwälzung von Umwelt- und Sozialfolgen auf andere Länder und Gemeinschaften

Wer hinter dem Papier steht: der AK Rohstoffe

Der AK Rohstoffe ist ein zivilgesellschaftliches Bündnis aus über 30 Umwelt-, Menschenrechts- und Entwicklungsorganisationen. Seit 2013 setzt er sich für eine sozial-ökologische und global gerechte Rohstoffpolitik ein, vor allem im Bereich Metalle. Getragen wird das Papier unter anderem von Brot für die Welt, BUND, Germanwatch, INKOTA, Misereor, NABU, PowerShift und WWF. Das Koordinierungsbüro ist bei PowerShift e.V. in Berlin angesiedelt.

Papier herunterladen und Kontakt

Das vollständige Papier „Fakten & Forderungen“ (Stand: Oktober 2026) steht als PDF zum Download bereit. Weitere Informationen gibt es auf ak-rohstoffe.de.

Ansprechperson: Hannah Pilgrim, AK Rohstoffe Koordinierungsbüro c/o PowerShift e.V., Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin, E-Mail: hannah.pilgrim@power-shift.de

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