Weniger Autos, mehr globale Gerechtigkeit

Es ist viel Bewegung in die Berliner Verkehrspolitik gekommen: Verkehrspolitisch Aktive ringen mit dem Senat um eine schnellere Umsetzung des Berliner Mobilitätsgesetzes. Die Verkehrssenatorin Regine Günther gibt erfreulich autokritische Töne von sich. Der Senat hat einen neuen Nahverkehrsplan für die Zeit bis 2023 verabschiedet und den Entwurf für einen Luftreinhalteplan bis 2025 vorgestellt. Der Plan soll im April mit der Öffentlichkeit diskutiert und im Mai beschlossen werden.

Aber: Auf Berlins Straßen ist von alldem noch nicht viel angekommen. Immer noch versinkt die Stadt im Autoverkehr. In Berlin gibt es über 1,2 Millionen Autos. Die Zahl der Pkw wächst weiter, obwohl sie in Berlin durchschnittlich 154 Stunden pro Jahr im Stau und dichten Verkehr stehen, so lange wie in keiner anderen deutschen Stadt. Unter den Neuzulassungen sind immer mehr SUVs, also besonders große und klimaschädliche Fahrzeuge. Besser gesagt „Stehzeuge“, denn ein Auto steht im Schnitt 23 Stunden am Tag herum.

Der Elektromotor allein ist nicht die Lösung

PowerShift ist ein Neuling in der Berliner Verkehrsszene. Zusammen mit den Hilfswerken Misereor und Brot für die Welt haben wir vergangenes Jahr die Studie „Weniger Autos, mehr globale Gerechtigkeit“ veröffentlicht. Der Untertitel: „Diesel, Benzin, Elektro: Die Antriebstechnik allein macht noch keine Verkehrswende“.

Die vielfach geäußerte Kritik am Auto-Wahnsinn – von den Unfallopfern über die Lärm-, Luft- und Klimabelastung bis zum Flächenverbrauch – teilen die entwicklungspolitischen Gruppen, weisen aber zusätzlich auf die Ungerechtigkeiten bei der Rohstoffbeschaffung für die Automobilindustrie hin. Denn Rohstoffe wie Stahl, Aluminium, Kupfer, Lithium, Kobalt oder seltene Erden werden oft unter katastrophalen ökologischen und menschenrechtlichen Bedingungen gewonnen. Der völlig überdimensionierte Auto-Fuhrpark bei uns und in vielen anderen Städten und Ländern trägt also schon bei der Herstellung zur globalen Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung bei.

Das bedeutet: Das Austauschen des Verbrennungsmotors durch einen Elektromotor ist noch keine Lösung – wir brauchen eine wirkliche Verkehrswende. Dazu gehört eine drastische Verringerung der Zahl der Autos ebenso wie ein fundamentaler Wandel in der Technik und den Nutzungsformen der verbleibenden Fahrzeuge. Wir brauchen viel weniger, möglichst kleine, rohstoff- und energieeffiziente, intelligent und geteilt genutzte Autos – als Ergänzung zum Umweltverbund aus Zu-Fuß-Gehen, Fahrrad, ÖPNV und Bahn.

„Berliner Autorunde“ einberufen

PowerShift will nun den Einsatz für globale Gerechtigkeit mit lokalen Ansätzen für die Verkehrswende verknüpfen. Unterstützt vom EU-finanzierten Projekt „No Planet B“ haben wir zusammen mit dem BUND Berlin und anderen eine „Berliner Autorunde“ einberufen. Die Runde will sich fortan regelmäßig treffen und zunächst den Schwerpunkt „Parkraum-Politik und Flächengerechtigkeit“ bearbeiten. Interessierte Organisationen und Mitstreiter*innen sind eingeladen, sich bei PowerShift im Berliner Haus der Demokratie und Menschenrechte zu melden.

Weitere Informationen:

Peter Fuchs

E-Mail: peter.fuchs@power-shift.de

Tel. (030) 27875736

 

Foto: Karlheinz Pape, pixabay.com/–325033