Europa kann seine Abhängigkeit von Lithium, Nickel und Kobalt verringern, ohne auf die Elektrifizierung des Straßenverkehrs zu verzichten. Entscheidend sind Recycling, kleinere und effizientere Elektroautos sowie eine Mobilität, die weniger Ressourcen benötigt.
Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs ist ein wichtiger Bestandteil des Klimaschutzes. Doch mit der wachsenden Zahl von Elektroautos steigt in vielen Szenarien auch der Bedarf an Batterierohstoffen. Europa steht deshalb vor einer grundlegenden Frage: Wie lässt sich der Verkehr dekarbonisieren, ohne neue, immer größere Abhängigkeiten von metallischen Rohstoffen und zusätzlichen Bergbauprojekten zu schaffen?
Eine neue Untersuchung der Öko-Institut im Auftrag von PowerShift, SOMO und Seas At Risk zeigt, dass der Rohstoffbedarf politisch gestaltbar ist. Sie untersucht, wie die Europäische Union den Bedarf an kritischen Batteriematerialien reduzieren und damit ihre Versorgungssicherheit stärken kann.
Das zentrale Ergebnis: Europa muss sich nicht zwischen Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Rohstoffsicherheit entscheiden. Eine Verkehrswende, die Materialien effizienter nutzt und den Bedarf von vornherein senkt, kann alle drei Ziele unterstützen.
Warum Europa weniger Batterierohstoffe braucht
Die Europäische Union will ihre Abhängigkeit von fossilen Energieträgern verringern. Die Elektrifizierung des Straßenverkehrs spielt dabei eine zentrale Rolle. Doch die Umstellung von Verbrennungsmotoren auf Elektroantriebe bringt neue Herausforderungen für die Rohstoffversorgung mit sich.
Für Batterien werden unter anderem Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan eingesetzt. Ihre Lieferketten sind teilweise stark konzentriert. Schwankende Rohstoffpreise, geopolitische Konflikte und Abhängigkeiten bei Förderung und Verarbeitung können die Versorgung erschweren.
Europa kann zusätzliche Bezugsquellen erschließen, Verarbeitungskapazitäten aufbauen und strategische Reserven anlegen. Diese Maßnahmen allein lösen jedoch nicht das grundlegende Problem: Wenn der Materialbedarf immer weiter steigt, bleibt die Abhängigkeit von internationalen Rohstoffmärkten hoch.
Deshalb braucht die europäische Rohstoffpolitik neben der Sicherung des Angebots eine zweite, bislang zu wenig beachtete Säule: die gezielte Senkung der Nachfrage nach Primärrohstoffen.
Zwar verändert sich die Zusammensetzung von Batterien bereits. Neue Batterietechnologien können bestimmte Metalle teilweise ersetzen oder ganz vermeiden. Doch der Wechsel der Batteriechemie allein reicht nach Einschätzung der Untersuchung nicht aus, um das erwartete Wachstum des gesamten Rohstoffbedarfs auszugleichen.
Neue Studie: Ein großes, bislang ungenutztes Einsparpotenzial
Die Untersuchung Decarbonising Road Transport Beyond Mining-Intensive Pathways wertet Forschungsergebnisse zu ressourcenschonenden Wegen der Verkehrselektrifizierung aus. Die deutsche Kurzzusammenfassung verweist auf 30 ausgewertete Studien.
Die Analyse identifiziert fünf zentrale Handlungsfelder:
- Batterierecycling ausbauen und mehr Sekundärrohstoffe einsetzen.
- Fahrzeuge und Batterien kleiner und leichter gestalten.
- Energie- und Materialeffizienz von Fahrzeugen verbessern.
- Verkehr auf ressourcenschonendere Verkehrsmittel verlagern.
- Unnötige Wege und Autofahrten vermeiden.
Diese Maßnahmen können dazu beitragen, die Abhängigkeit von neu abgebauten Rohstoffen zu verringern. Zugleich eröffnen sie die Möglichkeit, soziale und ökologische Belastungen des Bergbaus zu begrenzen.
Wie viel Lithium, Nickel und Kobalt kann Europa einsparen?
Die Studie führt Einsparpotenziale aus verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen zusammen. Die folgende Übersicht zeigt die jeweils höchsten im deutschen Kurzbericht dargestellten Werte.
| Maßnahme | lithium | nickel | Kobalt | manganèse |
|---|---|---|---|---|
| Kleinere Fahrzeuge und Batterien, bis 2050 | 22 % | 21 % | 19 % | 23 % |
| Höhere Energieeffizienz, bis 2050 | 28 % | 29 % | 25 % | 25 % |
| Verkehrsverlagerung und Verkehrsvermeidung, bis 2050 | 36 % | 36 % | 36 % | Nicht ausgewiesen |
| Recycling, 2040 | 52 % | 50 % | 69 % | 19 % |
Source: Öko-Institut Consult, Decarbonising Road Transport Beyond Mining-Intensive Pathways (2026); deutsche Kurzzusammenfassung, Seite 2.
Wichtig zur Einordnung: Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Studien und Szenarien mit verschiedenen Annahmen, Betrachtungszeiträumen und Bezugsgrößen. Sie sind deshalb nicht direkt miteinander vergleichbar und dürfen nicht addiert werden.

Recycling verringert den Bedarf an Primärrohstoffen, also neu gewonnenen Materialien. Die anderen Maßnahmen zielen darauf, den gesamten Materialbedarf zu senken. Einige Schätzungen beziehen sich auf kumulierte Bedarfe über mehrere Jahre, andere auf bestimmte Zieljahre.
Auch die Einsparpotenziale von Verkehrsverlagerung und Verkehrsvermeidung hängen davon ab, ob tatsächlich weniger Fahrzeuge benötigt werden oder zunächst nur weniger Kilometer mit ihnen gefahren werden. Ein ausgewertetes Szenario mit Einsparungen von bis zu 36 Prozent berücksichtigt neben Pkw auch weitere Straßenfahrzeuge. Dieser Wert ist daher nicht als eigenständige Prognose ausschließlich für Pkw-Batterien zu verstehen.
Trotz dieser Unterschiede zeigen die Ergebnisse: Der künftige Bedarf an Batteriemetallen ist keine unveränderliche Größe. Politische Entscheidungen über Fahrzeuggrößen, Verkehrssysteme, Effizienzstandards und Kreislaufwirtschaft beeinflussen, wie viele Rohstoffe Europa benötigt.
250.000 Tonnen Nickel: Was Recycling bewirken könnte

Nickel-Einsparpotenzial durch Recycling im Jahr 2040. Quelle: Öko-Institut Consult (2026), deutsche Kurzzusammenfassung, S. 2.
Besonders deutlich wird das Potenzial am Beispiel Nickel.
In einem der untersuchten Szenarien könnten durch Batterierecycling im Jahr 2040 rund 250.000 Tonnen Primärnickel eingespart werden. Das entspricht ungefähr der Jahresproduktion von sechs durchschnittlichen Nickelminen.
Der Vergleich verdeutlicht die Größenordnung der möglichen Einsparung. Er basiert auf Bergwerksdaten aus dem Jahr 2022; tatsächliche Fördermengen unterscheiden sich je nach Mine und Jahr. Der deutsche Kurzbericht ordnet das Potenzial außerdem als ungefähr sieben Prozent der durchschnittlichen jährlichen globalen Nickelproduktion ein.
Recycling allein macht weiteren Rohstoffabbau jedoch nicht überflüssig. Batteriematerialien sind über Jahre in Fahrzeugen gebunden, Recyclingverfahren verursachen Verluste, und bei wachsender Nachfrage können Sekundärrohstoffe nicht automatisch den gesamten Bedarf decken.
Deshalb müssen Recycling und die Verringerung des absoluten Materialbedarfs zusammengedacht werden.
Fünf Wege zu einer ressourcenschonenden Verkehrswende
1. Mehr Batterien recyceln und Primärrohstoffe ersetzen
Das Recycling von Altbatterien kann wertvolle Metalle zurückgewinnen und erneut nutzbar machen. Dadurch sinkt die Menge an Rohstoffen, die neu abgebaut und verarbeitet werden muss.
Die untersuchten Szenarien zeigen für das Jahr 2040 besonders hohe mögliche Einsparungen beim Primärbedarf an Kobalt, Lithium und Nickel.
Entscheidend sind funktionierende Sammel- und Rücknahmesysteme, ausreichende Recyclingkapazitäten, hochwertige Verfahren und verbindliche Vorgaben für den Einsatz zurückgewonnener Materialien.
Die europäische Batterieverordnung und das Gesetz zu kritischen Rohstoffen, der Critical Raw Materials Act, bieten wichtige politische Ansatzpunkte.
2. Kleinere und leichtere Elektroautos fördern
Nicht jedes Elektroauto benötigt eine große Batterie. Kleinere, leichtere Fahrzeuge brauchen weniger Material für ihre Herstellung und verbrauchen in der Regel auch weniger Energie beim Fahren.
Die Studie zeigt, dass die Verkleinerung von Fahrzeugen und Batterien den Bedarf an wichtigen Batteriemetallen deutlich reduzieren kann. In den ausgewerteten Szenarien liegen die dargestellten Einsparpotenziale bis 2050 je nach Metall bei bis zu 19 bis 23 Prozent.
Dafür braucht es politische Rahmenbedingungen, die ressourceneffiziente Fahrzeuge gegenüber besonders großen und schweren Modellen begünstigen.
3. Energie- und Materialeffizienz belohnen
Neben der Fahrzeuggröße beeinflusst auch die Effizienz, wie viele Rohstoffe für die Elektrifizierung benötigt werden.
Wenn Elektroautos mit weniger Energie dieselbe Mobilitätsleistung erbringen, können kleinere Batterien ausreichen. Verbesserungen bei Antrieb, Fahrzeuggewicht und Konstruktion können so den Materialbedarf verringern.
Die ausgewerteten Effizienzszenarien weisen bis 2050 Einsparpotenziale von bis zu 28 Prozent bei Lithium und 29 Prozent bei Nickel aus.
Fahrzeugvorschriften und Verbraucherinformationen sollten deshalb nicht allein den Energieverbrauch, sondern auch Materialeffizienz und Ressourcenbedarf stärker berücksichtigen.
4. Mehr Mobilität mit Bus, Bahn, Fahrrad und zu Fuß ermöglichen
Eine ressourcenschonende Verkehrswende beschränkt sich nicht auf den Austausch des Antriebs. Sie verändert auch, wie Menschen mobil sein können.
Ein gut ausgebauter, zuverlässiger und bezahlbarer öffentlicher Verkehr, sichere Radwege und attraktive Fußwege können Autofahrten ersetzen. Langfristig kann dies dazu beitragen, dass weniger private Pkw benötigt werden.
Die Studie macht zugleich deutlich, dass die Europäische Union viele dieser Veränderungen nicht unmittelbar selbst umsetzen kann. Öffentlicher Nahverkehr, Parkraumbewirtschaftung, Stadtplanung und weitere Maßnahmen liegen überwiegend in der Verantwortung von Mitgliedstaaten, Regionen und Kommunen.
Die EU kann aber über Fördermittel, Planungsanforderungen und politische Rahmenbedingungen dazu beitragen, diese Veränderungen zu ermöglichen.
5. Unnötige Autofahrten vermeiden
Nicht jeder Weg muss mit einem Auto zurückgelegt werden. Eine Stadt- und Verkehrsplanung mit kurzen Wegen, gut erreichbaren Dienstleistungen und geeigneten digitalen Arbeitsmöglichkeiten kann den Mobilitätsbedarf verändern.
Verkehrsvermeidung bedeutet dabei nicht, Menschen Mobilität vorzuenthalten. Es geht darum, Bedürfnisse wie Arbeit, Bildung, Versorgung und gesellschaftliche Teilhabe mit weniger Ressourcenaufwand zu erfüllen.
Verkehrsverlagerung und Verkehrsvermeidung wirken zusammen. Ihre Materialeinsparungen hängen davon ab, ob sich langfristig auch Fahrzeugbestand und Fahrzeugproduktion verringern.
Welche politischen Instrumente kann die EU jetzt nutzen?

Politische Instrumente der EU zur Verringerung des Bedarfs an Batterierohstoffen bis 2030. Quelle: Öko-Institut Consult (2026), deutsche Kurzzusammenfassung, S. 3.
Die Untersuchung zeigt, dass Europa nicht auf eine einzelne neue Verordnung warten muss. Die deutsche Kurzzusammenfassung benennt mehr als 20 politische Ansatzpunkte, die sich bestehenden oder geplanten EU-Instrumenten zuordnen lassen.
Die politische Zeitleiste im Kurzbericht umfasst den Zeitraum von jetzt bis 2030 und nennt die Jahre 2027, 2028, 2029 und 2030 als Orientierungspunkte. Im Folgenden sind alle in der Grafik aufgeführten Instrumente und Handlungsansätze als Text wiedergegeben.
Hinweis zur Zeitleiste: Die Grafik zeigt politische Handlungsfenster und mögliche Ansatzpunkte. Die nachstehende Übertragung ist keine Behauptung, dass sämtliche Maßnahmen bereits beschlossen sind oder zu einem bestimmten Jahr verbindlich in Kraft treten. Die zeitliche Zuordnung einzelner Elemente sollte vor der Veröffentlichung anhand der finalen Grafik und des jeweiligen Gesetzgebungsstands geprüft werden.
Critical Raw Materials Act: Rohstoffpolitik stärker auf Nachfragesenkung ausrichten
Das EU-Gesetz zu kritischen Rohstoffen (Critical Raw Materials Act, CRMA) eröffnet mehrere Ansatzpunkte:
- Richtwerte für die Überprüfung der EU-Liste strategischer und kritischer Rohstoffe: Bei der Bewertung von Rohstoffrisiken sollte stärker berücksichtigt werden, wie sich die Nachfrage reduzieren lässt.
- Recyclingkapazität: Der Ausbau von Recyclingkapazitäten kann die Abhängigkeit von Primärrohstoffen verringern.
- Ausrichtung strategischer Projekte auf Kreislaufwirtschaft und Substitution: Strategische Vorhaben sollten nicht allein auf zusätzliche Rohstoffgewinnung ausgerichtet sein, sondern auch Kreislaufwirtschaft und Materialersatz unterstützen.
Circular Economy Act und Batterieverordnung: Rezyklateinsatz stärken
Die Zeitleiste benennt im Zusammenhang mit dem Loi sur l'économie circulaire und der EU-Batterieverordnung folgende Ansatzpunkte:
- Ziele für den Rezyklateinsatz: Vorgaben für den Einsatz zurückgewonnener Materialien können die Nachfrage nach Primärrohstoffen verringern.
- Überprüfung der Ziele für den Rezyklateinsatz: Bestehende Zielwerte sollten überprüft und auf ihre Wirksamkeit hin bewertet werden.
- Abgedeckte Materialien: Die Frage, für welche Rohstoffe entsprechende Anforderungen gelten, ist ein weiterer politischer Ansatzpunkt.
Damit Recycling seine Wirkung entfalten kann, müssen ausreichende Mengen an Altbatterien erfasst, Materialien hochwertig zurückgewonnen und erneut eingesetzt werden.
Automotive Omnibus: Kleine, erschwingliche Autos unterstützen
Im Rahmen des sogenannten Automotive Omnibus verweist die Zeitleiste auf eine Kategorie für „kleine, erschwingliche Autos“.
Eine solche Fahrzeugkategorie könnte dazu beitragen, kleinere und ressourcenschonendere Elektroautos gezielt zu fördern. Entscheidend ist, dass entsprechende Regeln tatsächlich Anreize für geringeren Material- und Energieverbrauch schaffen.
CO₂-Emissionsstandards: Energie- und Materialeffizienz berücksichtigen
Bei den europäischen CO₂-Emissionsstandards für Fahrzeuge benennt die Zeitleiste Energie- und Materialeffizienz als Fahrzeuganforderungen.
Die Studie plädiert damit für einen breiteren Blick auf die Umweltauswirkungen von Fahrzeugen: Nicht nur der CO₂-Ausstoß beziehungsweise die Klimawirkung des Antriebs, sondern auch der Ressourcenbedarf sollte politische Aufmerksamkeit erhalten.
Car Labelling Directive: Energieeffizienzklassen verbessern
Bei der europäischen Car Labelling Directive, also den Vorschriften zur Verbraucherinformation über Fahrzeuge, nennt die Zeitleiste Energieeffizienzklassen als Ansatzpunkt.
Gut verständliche Informationen können Verbraucher*innen helfen, energieeffiziente Fahrzeuge zu erkennen. Die Studie sieht darin einen möglichen Hebel, um die Nachfrage nach ressourcenschonenderen Autos zu unterstützen.
Advanced Materials Act: Materialinnovationen fördern
Im Zusammenhang mit einem Advanced Materials Act benennt die Grafik vier Schwerpunkte:
- Recycling,
- Energieeffizienz,
- Größenreduktion,
- Substitution von Materialien.
Innovationen sollten demnach nicht nur auf neue Materialien und Batterietechnologien abzielen, sondern auch darauf, mit weniger Rohstoffen denselben Nutzen zu erreichen.
EU-Haushalt 2028–2034: Öffentlichen Verkehr finanzieren
Für den nächsten mehrjährigen EU-Finanzrahmen, den EU-Haushalt 2028–2034, hebt die Zeitleiste die Finanzierung eines sauberen, bezahlbaren und resilienten öffentlichen Personennahverkehrs hervor.
Europäische Fördermittel können dazu beitragen, dass Busse und Bahnen eine attraktive Alternative zum privaten Auto werden. Das unterstützt Klimaschutz und kann langfristig den Bedarf an Fahrzeugen und Batterierohstoffen senken.
TEN-T: Nachhaltige städtische Mobilitätsplanung überprüfen
Im Zusammenhang mit dem transeuropäischen Verkehrsnetz TEN-T nennt die Grafik die Überprüfung der Pläne für nachhaltige städtische Mobilität.
Solche Mobilitätspläne können Verkehrsverlagerung und Verkehrsvermeidung unterstützen. Entscheidend ist, dass sie nicht nur den Verkehrsfluss organisieren, sondern auch den Zugang zu ressourcenschonenden Verkehrsmitteln verbessern.
EU-Emissionshandel: Nationale Klimapläne und kohlenstoffarme Alternativen
En ce qui concerne: EU-Emissionshandel führt die Zeitleiste zwei Ansatzpunkte auf:
- Nationale Klimapläne: Die Ausgestaltung nationaler Klimapolitik kann dazu beitragen, emissionsärmere Mobilität zu fördern.
- Kohlenstoffarme Alternativen auf der Angebotsseite: Klimafreundlichere Mobilitätsangebote müssen verfügbar und zugänglich sein, damit Menschen ihr Verkehrsverhalten verändern können.
Die Untersuchung verweist zudem auf die Rolle des europäischen Emissionshandelssystems für Straßenverkehr und Gebäude. Dessen Wirkungen hängen von der konkreten politischen Ausgestaltung und sozial verträglichen Begleitmaßnahmen ab.
Was die Jahre 2027 bis 2030 politisch bedeuten
Die Zeitleiste macht deutlich, dass die EU in den kommenden Jahren zahlreiche Gelegenheiten hat, Rohstoffreduktion in bestehende Politikprozesse einzubringen:
2027: Frühzeitige politische Weichenstellungen und die Weiterentwicklung von Instrumenten für Kreislaufwirtschaft, Fahrzeugregulierung und Rohstoffpolitik.
2028: Wichtige Entscheidungen im Zusammenhang mit dem nächsten EU-Haushalt 2028–2034 sowie die weitere Ausgestaltung ressourcen- und verkehrspolitischer Maßnahmen.
2029: Weitere Überprüfungs- und Umsetzungsfenster bei europäischen Vorgaben für Fahrzeuge, Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft.
2030: Ein zentraler Orientierungspunkt für europäische Rohstoff-, Klima- und Kreislaufwirtschaftsziele.
Diese Jahresübersicht dient der Einordnung der in der Grafik dargestellten politischen Handlungsphase. Konkrete Fristen einzelner Rechtsakte müssen anhand des finalen Rechtsstands geprüft werden.
Weniger Rohstoffbedarf bedeutet weniger Druck auf Mensch und Natur
Der Abbau und die Verarbeitung metallischer Rohstoffe können erhebliche Auswirkungen auf Menschen und Umwelt haben. Dazu zählen Eingriffe in Landschaften und Ökosysteme, Wasserverbrauch, Umweltverschmutzung und Konflikte um Land und natürliche Ressourcen.
Besonders betroffen sind häufig lokale Gemeinschaften und indigene Völker in rohstoffreichen Regionen.
Wenn Europa seinen Bedarf an neu abgebauten Rohstoffen senkt, kann das den Druck verringern, zusätzliche Bergbauprojekte zu erschließen. Weniger Nachfrage bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Umweltzerstörung oder Menschenrechtsverletzungen ausbleiben. Dafür braucht es weiterhin verbindliche Umwelt- und Menschenrechtsstandards, wirksame Beteiligungsrechte und verantwortungsvolle Lieferketten.
Rohstoffreduktion und hohe Standards beim verbleibenden Bergbau gehören zusammen.
Eine ressourcenschonende Verkehrswende kann so dazu beitragen, die ökologischen und sozialen Kosten der Dekarbonisierung zu begrenzen, ohne notwendige Klimaschutzmaßnahmen auszubremsen.
Fünf Forderungen für Europas Rohstoffsicherheit
Aus den Forschungsergebnissen ergeben sich fünf politische Prioritäten.
1. Mehr Batterien in Europa recyceln
Wertvolle Materialien aus Altbatterien müssen zurückgewonnen und wiederverwendet werden. Dafür braucht Europa leistungsfähige Sammel-, Recycling- und Verarbeitungsstrukturen. So lässt sich der Bedarf an importierten Primärrohstoffen reduzieren.
2. Energie- und Materialeffizienz belohnen
Fahrzeuge, die weniger Energie und Rohstoffe benötigen, sollten bei europäischen Fahrzeugvorschriften und Klassifizierungen besser berücksichtigt werden. Materialeffizienz muss zu einem sichtbaren politischen Kriterium werden.
3. Öffentliche Mittel für ressourceneffiziente Fahrzeuge einsetzen
Öffentliche Förderung und Beschaffung sollten kleinere, leichtere und materialeffiziente Fahrzeuge begünstigen. Das gilt auch für Dienstwagen in Unternehmen und Politik: Förderregeln und Standards sollten keine Anreize für unnötig große und schwere Autos setzen.
4. Mobilität fördern und unnötige Autofahrten reduzieren
Zusätzliche europäische Mittel sollten einen öffentlichen Nahverkehr unterstützen, der bezahlbar, zuverlässig und attraktiv ist. Gleichzeitig müssen Städte und Regionen gute Bedingungen für Rad- und Fußverkehr schaffen.
5. Innovationen auf geringeren Rohstoffverbrauch ausrichten
Forschung und Entwicklung sollten gezielt in bessere Batteriematerialien, kleinere und leichtere Fahrzeuge, Materialersatz und hochwertige Recyclingverfahren investieren. Das Ziel ist, mit weniger Rohstoffen dieselben gesellschaftlichen Bedürfnisse zu erfüllen.
Europas Rohstoffsicherheit beginnt bei der Nachfrage
Die Debatte über Europas Versorgung mit kritischen Rohstoffen konzentriert sich häufig auf zusätzliche Minen, neue Handelsabkommen, Verarbeitungskapazitäten und strategische Partnerschaften.
Diese Fragen bleiben relevant. Doch eine Rohstoffstrategie, die ausschließlich das Angebot betrachtet, greift zu kurz.
Europa muss auch entscheiden, wie viele Rohstoffe es tatsächlich benötigt – und wofür.
Die Elektrifizierung des Verkehrs ist notwendig, um die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verringern. Sie muss jedoch mit einer Politik verbunden werden, die Materialverschwendung vermeidet, Recycling stärkt und ressourcenschonende Mobilität ermöglicht.
So kann die Europäische Union ihre Versorgungssicherheit verbessern, Klimaziele verfolgen und zugleich den Druck auf Bergbauregionen im In- und Ausland verringern – an Land ebenso wie auf See.
Häufige Fragen zur Reduktion von Batterierohstoffen
Wie viel Lithium kann Europa einsparen?
Die ausgewerteten Szenarien zeigen, dass höhere Energieeffizienz den Lithiumbedarf bis 2050 um bis zu 28 Prozent reduzieren könnte. Kleinere Fahrzeuge und Batterien weisen ein Einsparpotenzial von bis zu 22 Prozent aus. Die Werte stammen aus unterschiedlichen Szenarien und dürfen nicht addiert werden.
Wie stark kann Recycling den Bedarf an neuen Rohstoffen reduzieren?
Für das Jahr 2040 zeigen die im Kurzbericht dargestellten Szenarien mögliche Einsparungen beim Primärrohstoffbedarf von bis zu 52 Prozent für Lithium, 50 Prozent für Nickel und 69 Prozent für Kobalt. Recycling verringert damit den Bedarf an neu abgebauten Rohstoffen, nicht automatisch den gesamten Materialverbrauch.
Braucht Europa trotz Batterierecycling weiterhin Bergbau?
Ja. Recycling kann einen erheblichen Teil des Primärrohstoffbedarfs ersetzen, aber nicht zwangsläufig den gesamten Bedarf decken. Deshalb sind auch kleinere Batterien, effizientere Fahrzeuge und weniger materialintensive Mobilitätsformen wichtig.
Sind kleinere Elektroautos besser für die Rohstoffversorgung?
Kleinere und leichtere Elektroautos benötigen in der Regel weniger Material und können mit kleineren Batterien auskommen. Die Studie identifiziert die Verringerung von Fahrzeug- und Batteriegrößen deshalb als wichtigen Hebel zur Reduktion des Rohstoffbedarfs.
Welche Rolle spielt die EU bei der Verkehrswende?
Die EU kann über Fahrzeugregeln, Batterievorschriften, Rohstoffpolitik und Förderprogramme Einfluss nehmen. Viele konkrete Maßnahmen für Bus, Bahn, Radverkehr, Parkraummanagement und Stadtplanung liegen jedoch bei Mitgliedstaaten, Regionen und Kommunen.
Wer hat die Studie erstellt?
Die englischsprachige Untersuchung Decarbonising Road Transport Beyond Mining-Intensive Pathways wurde von Stefanie Degreif und Moritz Mottschall von der Öko-Institut Consult gGmbH im Auftrag von SOMO, Seas At Risk und PowerShift erarbeitet. Die vorliegende Fassung ist auf Oktober 2026 datiert.
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Die Untersuchung bietet einen Überblick über die wissenschaftlich ermittelten Potenziale zur Reduktion des Bedarfs an Batterierohstoffen und zeigt politische Handlungsmöglichkeiten auf EU-Ebene.
Decarbonising Road Transport Beyond Mining-Intensive Pathways
- Sprache: Englisch
- Umfang: 45 Seiten
- Autor*innen: Stefanie Degreif und Moritz Mottschall
- Organisation: Öko-Institut Consult gGmbH
- Auftraggeber: SOMO, Seas At Risk und PowerShift
- Erscheinungsjahr: 2026
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Kurzzusammenfassungen
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Methodik und Datengrundlagen (als excel herunterladen)
Die ausgewiesenen Einsparpotenziale stammen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Studien. Ihre Annahmen, Bezugsgrößen und Zeithorizonte sind nicht identisch. Die Prozentwerte beschreiben daher keine einheitliche Gesamtprognose.
Weiterführende PowerShift-Publikationen
Die neue Untersuchung ergänzt die Arbeit von PowerShift zu einer sozial gerechten und ökologisch tragfähigen Rohstoffwende.
Réduire la consommation de matières premières: Pourquoi moins est plus
Wie Deutschland seinen Primärrohstoffverbrauch reduzieren kann, welche Potenziale im Verkehr und im Bausektor bestehen und warum internationale Perspektiven auf den Bergbau entscheidend sind.
Konkrete Vorschläge für weniger Metallverbrauch, stärkere Kreislaufwirtschaft und den Schutz von Menschenrechten.
Über die Veröffentlichung
Die Studie wurde von der Öko-Institut Consult gGmbH im Auftrag von SOMO, Seas At Risk und PowerShift erarbeitet. Die deutsche Kurzzusammenfassung bündelt zentrale Forschungsergebnisse und politische Forderungen für eine ressourcenschonendere europäische Verkehrswende.








