Zusammenbruch des CDM? Höchste Zeit für Alternativen

Zu Beginn der Woche legte das CDM Policy Dialogue Panel dem CDM-Exekutivbüro einen Bericht vor, nach dem der Handel mit zertifizierten Emissionsgutschriften (CER) kurz vor dem Zusammenbruch stehe. In den letzten Monaten litt der Markt an einer wachsenden Überversorgung und sinkenden Preisen, wie aus der Grafik hervorgeht (aus dem Bericht des CDM Policy Dialogue Panel “Climate Change, Carbon Market and the CDM. A call for action”).

Wenn der Markt vollends kollabiert, würde es schwerer werden, Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern umzusetzen und zu finanzieren, befürchtet das CDM Policy Dialogue Panel. Dass die meisten der sogenannten Klimaschutzprojekte ohnehin nur Business-as-usual sind, verschweigt der Bericht lieber.

Dazu erklärt Anja Kollmuss, Expertin für Kohlenstoffmärkte bei CDM Watch:

The market has been flooded with fake credits from projects that would have been built anyway and questionable industrial gas projects. Such credits have significantly contributed to the over-supply and the low prices and most importantly, seriously undermine the environmental integrity of the CDM.

Solange sich die Staaten keine schärferen Klimaziele auferlegen, wird sich der Markt ohnehin nicht erholen können, erklärte Wolfgang Sterk vom Wuppertal Institut auf dem Workshop “Kauf dich frei! Wie Entwicklung und Klimaschutz dem Markt zum Opfer fallen”. Nicht nur die Zielsetzungen sind schwach, die ersten beiden Handelsperioden des EU-Emissionshandels waren in Deutschland von weitgehend kostenloser Zuteilung und Überausstattung gekennzeichnet, wie das Öko-Institut feststellt. Thomas Reuters Point Carbon bestätigt das in einer Studie vom vergangenen Freitag, die den Überhang an Zertifikaten im gesamten Kohlesntoffmarkt auf 13,1 Mrd. Tonnen CO2 beziffert (2008-2012).

The current surplus is due in part to a lack of political ambition, undermined further by economic recession. The effect of the 2020 targets that have been pledged by different countries is that the market will still be oversupplied. Unless the level of the 2020 targets for the second commitment period is changed, the market will remain oversupplied even if no AAUs from the first commitment period are carried over to the second,

führt Andreas Arvanitakis, Direktor von  Advisory Services, Thomson Reuters Point Carbon und Ko-Autor der Studie aus. Und bisher soll  eben dieser Übertrag von Zertifikaten aus der ersten in die zweite Verpflichtungsperiode uneingeschränkt möglich sein.

Wenigstens ist in Deutschland nicht vorgesehen, die Nutzungsmöglichkeit des CDMs ab 2012 weiter auszubauen. Momentan (2008-2012) können Anlagenbetreiber CERs in Höhe von 22 Prozent ihrer individuellen Zuteilungsmenge verwenden. Den Anteil, den sie bis Ende des Jahres nicht einsetzen, können sie in die dritte Handelsperiode ab 2013 mitnehmen. Bisher glichen Unternehmen ihre Emissionen nur bis zu etwa 9 Prozent ihrer Gesamtzuteilung mit Gutschriften aus. Die Betreiber von Bestandsanlagen können somit noch  Projektgutschriften in Höhe von etwa 13 Prozent nutzen. Für Neuanlagen wurde die Nutzung auf 4,5 Prozent ihrer Emissionsmenge begrenzt.

Indem innerhalb der EU ab 2013 nur noch CERs aus Projekten in Least Developed Countries (LDCs) angerechnet werden können, wird der Kritikpunkt der geographischen Unausgeglichenheit entschärft. CERs aus bereits zugelassenen Projekten können weiterhin genutzt werden. Ausnahmen sind CERs aus Industriegasprojekten (HFKW23 und N2O), die nur noch zum Ausgleich der Emissionen 2012 genutzt werden dürfen.

Damit sind zwar einige der Projekttypen und Länder vom CDM ausgeschlossenen, die bisher am meisten in der Kritik standen. Doch weiteres bleibt ungelöst. Wie wird mit der mangelnden Zielerreichung für Nachhaltige Entwicklung umgegangen? Und wie wird die Berechnungsgrundlage für die Zertifikate und der Nachweis der Zusätzlichkeit verbessert, damit der CDM seinen Namen auch verdient? Hier wird häufig die Standardisierung der Baselines und des Zusätzlichkeitstest vorgeschlagen. Ergänzend werden verbindliche Nachhaltigkeits- und Menschenrechtsstandards gefordert. Aber dagegen gibt es starke Widerstände.

Vom CDM Exekutivbüro ist leider wenig Positives zu erwarten. Am 14. September 2012 gab es bekannt, dass es gegen die Empfehlung seines technischen Expertenteams (Methodologies Panel), Kohlekraftwerke wieder zulassen wird. Dazu Anja Kollmuss von CDM Watch:

By lifting the suspension of coal projects and at the same time refusing to strengthen additionality rules, the Board may have accelerated the end of the CDM.

In dem Zusammenbruch eines Systems kann auch eine Chance liegen: Schöpferische Zerstörung. Eine Alternative, die außerhalb des CDM diskutiert wird, erläutert Wolfgang Sterk vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie in einem kurzen Videoclip über Nationally Appropriated Mitigation Actions (NAMAs).

Ob die Staaten und das CDM-Exekutivbüro dem “Call for action” folgen oder Neue Marktmechanismen (NMM) wie Nationally Appropriated Mitigation Actions (NAMAs) tatsächlich die bisherigen Probleme lösen und noch rechtzeitig umgesetzt werden, ist zweifelhaft, wenn man die jüngsten Entscheidungen und die schleppenden Prozesse in den Klimaverhandlungen der letzten Jahre betrachtet. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt. Derweil schreitet der Klimawandel voran.

1 Kommentar

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