Umweltschutz geht woanders: Offsetting der Artenvielfalt

Nachdem das Offsetting im Klimaschutz – also ein Handel mit Zertifikaten, die besagen, wie viele Klimagasen an einem Ort eingespart wurden, damit sie dann anderswo mit Zertifikat ohne weitere Anrechnung rausgepustet werden können – so richtig daneben gegangen ist (siehe Beiträge aus 2012 wie Die Vermessung des Unbekannten oder Saubere Entwicklung für deutsche Unternehmen), wird dieses Misserfolgskonzept nun auf den Erhalt der Biodiversität angewandt.

Die Lizenz zum Töten? So ungefähr. Die Idee, einfach einen Ersatzort auszumachen, der dann den Verlust an Lebensraum und Artenvielfalt an anderer Stelle kompensieren soll, klingt wie ein schlechter Scherz. Aber seht selbst den Clip dazu: Biodiversity offsetting, making dreams come true

Weder Counter Balance, die diese „Mockumentary“ erstellt haben, noch PowerShift befürchten, dass als nächstes der Tiergarten bedroht sei. Doch mit dem Verweis auf Offsetting-Tätigkeiten werden bereits weltweit Ökosysteme unwiderruflich zerstört. Anlass des Clips ist eine neue Regelung der EU, die Offsetting im Bereich Biodiversität erlauben soll. Dort heißt es, es solle keinen Nettoverlust von Biodiversität geben. Umweltgüter allgemein und auch Artenvielfalt lassen sich aber nicht so einfach andererorts ersetzen – oder aufrechnen.

Wir kennen in Deutschland Ausgleichsmaßnahmen aus der Stadt- und Landschaftsplanung. Doch müssen Bauvorhaben immer wieder angepasst werden, wenn seltene Arten auf dem Gelände gefunden werden (Stichwort: Blockade-Tiere). Doch über Offsetting ließen sich andere Wege finden. Geschützt werden kann auch woanders. Im Zweifelsfall wird umgesiedelt. Dass das häufig nicht klappt, kann man sich ohne viel Fantasie ausmalen. Auch die Erfahrungen mit Offsetting in den USA , Australien und Kanada bestätigen dies.

Das Offsetting von Klimagasen sollte weltweit zu größeren Einsparungen führen. Das Kyoto-Protokoll wurde 1997 beschlossen. Und noch immer steigen die Treibhausgasemissionen – keine Trendumkehr in Sicht.

Bei der Biodiversität wird dies alles natürlich ganz anders sein. Denn die sinkt ja ohnehin schon.

3 Kommentare

  1. nijae

    Auch auf „Klima der Gerechtigkeit“ heißt es:
    Mit Biodiversitäts-Offsets werden Träume wahr

    http://klima-der-gerechtigkeit.boellblog.org/2014/07/22/mit-biodiversitaets-offsets-werden-traeume-wahr/

  2. skritek

    Ach was ! Bin dafür diese ganzen BioDiv-Offset-Maßnahmen gleich auf Mond, Mars, Jupiter et al zu verpflanzen, dann muss man nicht auf der Erde nach geeigneten Restflächen suchen sondern kann hier komplett und 100%ig effizient plündern. Und wer geringere Energiekosten will, soll sich doch bitte auf die Venus verpissen.

  3. nijae

    Das stimmt allerdings. Wenn wir jetzt schon die Tiefsee plündern, ohne ihre wahren Schätze zu kennen, ist es nicht mehr lange hin, bis für Offsetting nur noch andere Welten in Frage kommen.

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