Tour de Berlin: Post- und Neokolonialismus

Die erste Tour de Berlin startete vom Sommerfest des Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlags (BER e. V.) und Berlin Global Village auf der Stralauer Halbinsel. PowerShift e.V. führte die 25 interessierten Radfahrer_innen der entwicklungspolitischen Tour am 1. September 2013 in zwei Etappen über den Treptower Park zum Plänterwald und zurück. IMG_2538

Erste Station war der Karpfenteich. Denn dort wurde 1896 im Zuge der Großen Gewerbe Ausstellung die größte „Völkerschau“ in der Geschichte Berlin präsentiert. Christian Kopp (Berlin Postkolonial e.V.) schilderte reich bebildert, wie in dieser Deutschen Colonial-Ausstellung 100 Menschen aus den von Deutschland als Kolonien beanspruchten Gebieten  dörflichen „Alltag“ inszenieren mussten. Die Besucher_innen stachen vom heutigen May-Ayim-Ufer in See, um  die exotisch gekleideten Menschen anzugaffen. Dass die Repräsentanten der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, wie der Herero Friedrich Maharero, ganz andere Anliegen hatten und den Aufenthalt dazu nutzen wollten, sich über Deutschland zu informieren und diplomatische Verbindungen zu knüpfen, passte so gar nicht in das Konzept der (Selbst)inszenierung (mehr dazu vom DHM).

IMG_2541Der zweite Stopp wurde am Spreeufer gegenüber dem Braunkohlekraftwerks Klingenberg von Vattenfall eingelegt. Rund die Hälfte der Berliner Strom- und Fernwärmeproduktion stammt aus Braunkohle und importierter Steinkohle – Tendenz steigend! Klimagerechtigkeit sieht anders aus. Wir müssen unseren CO2-Ausstoß drastisch reduzieren. Aber auch anderen Länder bei der Transformation bzw. überhaupt erst dem Aufbau von Energiesystemen unterstützen (Saft für alle!): „Wie kann Afrika von der Energiewende profitieren?“ fragte AfricAvenir den nigerianischen Umweltaktivisten Nnimmo Bassey, Vorsitzender der internationalen Organisation Friends of the Earth. Neokoloniale Verhältnisse zeichnen nicht nur die historisch hohen Treibhausgasemissionen aus, sondern auch die Beschaffung der Steinkohle. Dreiviertel der deutschlandweit genutzten Steinkohle werden importiert: neben den USA, Polen und Russland, vor allem aus Kolumbien und Südafrika. Viele Jahre war Südafrika der Kohlelieferant Nummer 1 für Deutschland. Andreas Bohne von SODI stellte kurz die ökologischen und sozialen Folgen für Südafrika dar, wie das Acid Mine Drainage, den akuten Wassermangel und die Luftverschmutzung im Umkreis von Minen und Kraftwerken, die die Bevölkerung vor Ort belasten. An Entscheidungen werden sie hingegen nicht beteiligt.

Abgründe tun sich nicht allein beim Kohleabbau in Südafrika auf, wie die Studie Bitter Coal deutlich macht. Auch Vattenfall bezieht Kohle aus den Ländern des globalen Südens. Die genaue Herkunft wird jedoch lieber verschwiegen. Dass es so nicht weitergehen kann, machte Marc Schwingel (Arbeitskreis Klima und Erneuerbare Energien des BUND Berlin) deutlich. Gemeinsam wollen wir nach klimagerechten Alternativen suchen. Schließt euch an: Im Rahmen der deutschlandweiten Alternativen Rohstoffwoche (12.-19.10.2013) thematisieren wir die Kohleabhängigkeit und fordern die Berliner Politik zum Handeln auf „Berlin steht auf Kohle – Energieversorgung aus entwicklungspolitischer Sicht“ (15.10.13 um 19 Uhr im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Havemann-Saal, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin).

Auch dort wird es im Anschluss an die Veranstaltung wieder öko-soziale Getränke geben, um in netter Runde weiter diskutieren zu können.

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