Pressemitteilung

Tag am Meer

Grafik: The problem of The Ocean Cleanup

Birmesischer Tempel auf einem Floß wird von den Wellen in tropischer Bucht auf den weißen Sandstrand geschoben. Schönes Treibgut, wie hier auf den Andamanen, ist leider die Ausnahme (@Nicola Jaeger, PowerShift e.V.)[/caption] Der Strand selbst sieht auf den ersten Blick sauber aus. Doch sobald ich meine Zehen wohlig im Sand vergrabe, hängt eine Plastiktüte daran. Aus den Augen aus dem Sinn; obwohl ich schon hoffe, dass die Touristenabgaben für Sinnvolles genutzt wird, als den Abfall nur am Strand zu vergraben. Die traurige Realität ist allerdings unbestritten: ein sauberer Strand ist ein menschengemachter Strand. Denn weltweit wird fortlaufend Müll angespült. Und sammelt sich an – zusätzlich zu dem, was wir nach einem schönen Tag am Meer zurücklassen. Dabei ist selbst der angespülte Müll auf einsamen Inseln, wie hier im Clip über die kleine Insel Clipperton im Pazifik, mehr als tausend Kilometer von der nächsten Küste entfernt, nur ein winziger Ausschnitt dessen, was in den Meeren herumtreibt: Clipperton, an Island Wasted by pollution. Natürlich ist es nicht allein Plastik, das im Meer landet. Aber, was Plastik in der Nutzung so attraktiv macht, wird in der Entsorgung zum Problem: Kunststoff ist extrem langlebig. Und jedes Jahr werden etwa 240.000 Ton­nen Plas­tik produziert. Selbst Sonne und Salzwasser brauchen Jahrzehnte, um es in immer kleinere Teile zu zerteilen, zu zerreiben. Werden diese von Fischen aufgenommen, gelangen winzige Plastikteilchen auch in unsere Nahrungskette – vorausgesetzt die Fische überleben das Plastikmahl. Wenn Seevögel ihre Jungen mit Plastikstückchen füttern, Schildkröten in schwebende Plastiktüten beißen, die sie für Quallen halten, sich neugierige Seehunde beim Spielen strangulieren oder Plastiksäcke sich über Korallen legen und dadurch die von Licht abhängige Gemeinschaft töten – Plastik im Meer endet selten gut. Und es wird täglich mehr. Natürlich ist es entscheidend, an der Wurzel anzusetzen und weniger Müll zu produzieren. An Verpackungen sparen, Reparaturen und Recycling schon im Design von Produkten berücksichtigen, wieder verwerten und auch weiter verwenden. Denn Plastikmüll war ja vorher oft ein Gebrauchsgegenstand. Degrowth bietet dafür einen Ansatz:

„Unter “Degrowth” verstehen wir eine Verringerung von Produktion und Konsum in den frühindustrialisierten Staaten, die menschliches Wohlergehen, die ökologischen Bedingungen und die Gleichheit auf diesem Planeten fördert.“ Selbstverständnis der Degrowth-Konferenz in Leipzig vom 2.-6. September 2014, siehe dazu auch PowerShift.
Doch selbst, wenn es uns gelingt, Verpackungen und Materialverbrauch zu reduzieren und Verwendungszeiten zu verlängern, treiben noch immer Tonnen von Plastik im Meer herum. Den Großteil davon bekommen wir selbst bei unserem Urlaub, ob am einheimischen Strand oder auf einsamen Inseln, nicht zu Gesicht. Denn Millionen Tonnen von Plastik drehen sich in fünf großen Müllstrudeln im Kreis. Ein Drittel davon steckt im „Great Pacific Garbage Patch“ – doppelt so groß wie Frankreich. [caption id="attachment_703" align="aligncenter" width="540"]Grafik: The problem of The Ocean Cleanup Karte von The Ocean Cleanup: http://www.theoceancleanup.com/the-problem.html[/caption] 2012 hat der 17-jährige Boyan Slat eine Idee entwickelt, wie dieser Müll eingesammelt werden könnte. Fest installierte Barrieren fangen den Müll auf, ohne dass Meereslebewesen in Netzen verenden können. Jeden Monat sammelt ein Boot die zusammengetriebenen Teile auf und bringt sie an Land, so die Vision. An einem Verwertungskonzept sowie der ersten großen Umsetzung wird gearbeitet (Crowdfunding für The Ocean Cleanup: Am 21.08.2014 sind 73% der angepeilten 2.000.000$ erreicht). Nach einer kleinen Spende installiere ich eine Flohmarkt-App. Denn, was noch zu gebrauchen ist, variiert ebenso wie die Vorstellungen von Entspannung am Strand. Einkaufen gehen werde ich im Übrigen weiterhin mit meinen Jutebeuteln. In dem Buch „Grüne Lügen“ von Friedrich Schmidt-Bleek, Chemiker und Umweltforscher, kommen Baumwolltaschen im Vergleich zu Plastiktüten, was den Rohstoffeinsatz anbelangt, schlecht weg. Die Frage der Ressourcenintensität wurde in den letzten Tagen in Bezug darauf im Deutschlandradio Kultur behandelt. Dabei sollte aber nicht ausgeblendet werden, was mit den Produkten nach der Nutzung passiert. Ich habe seit über zehn Jahren keine neuen Einkaufstaschen gekauft. Der Forderung, die Materialeffizienz um den Faktor 10 zu erhöhen, schließe ich mich voll und ganz an. Doch gerade die dünnen, weniger ressourcenintensiven Plastiktüten, die Schmidt-Bleek gutheißen müsste, enden weltweit im Meer. Es würde mich freuen, beim nächsten Strandtag in die Ferne blicken zu können und dabei an Barrieren zu denken. Eine beruhigende Vorstellung, wie die Ozeane Plastikmüll an schwimmenden Barrieren statt einsamen Inseln abladen. Faszinierend, dass ein Teenager sich dieses Konzept ausgedacht hat. Inspiration für mehr.]]>