Silent GAU

Es liegt in diesen Tagen ja nahe, alles durch die Atom-Brille zu betrachten. CDU, FDP, SPD und Linke machen das z.B. mit ihren Wahlniederlagen so. Warum aber mal nicht umgekehrt Atom durch die Rohstoffbrille anschauen? Da sieht man sicherlich nicht viel Neues – das meist ist lange bekannt – aber kann lernen, dass Atomkraft nicht nur dann zum Problem wird, wenn es schlecht läuft. Selbst im Normalbetrieb ist für viele Menschen der GAU Realität.

Für Menschen in Niger, die in den Gebieten wohnen, wo unser Uran abgebaut wird. Eine Greenpeace Reportage  aus dem Jahr 2007 beispielsweise beleuchtet die dramatischen Folgen des Uranabbaus in der Wüstenstadt Arlit. Oder für Bergarbeiter in Australien, von deren Gesundheitsschäden der Aktivist Dave Sweeney berichtet. Solche Beispiele, von denen es viele gibt, zeigen dass bei der Atomkraft die angebliche Ausnahme – freiwerdende Radioaktivität  – die Regel ist. Eindrucksvoll beschreibt dies das Münchener Umweltinstitut, dass die Folgen des Uranabbaus in der ehemaligen DDR prägnant auf den Punkt bringt.

Für die Entwicklung der sowjetischen Atombombe entstand in der DDR der drittgrößte Uranabbaubetrieb der Welt. Erst nach der Wiedervereinigung wurde der Uranabbau eingestellt. Die Wismut GmbH war mit der Sanierung des mit 311 Mio. m3 Haldenmaterial und 160 Mio. m3 radioaktiven Schlämmen großflächig verseuchten Gebietes beauftragt. Bis 2010 sollten die Arbeiten mit mehr als sechs Milliarden Euro aus Bundesmitteln abgeschlossen sein. Inzwischen ist klar, dass sich die Sanierung bis 2016 hinziehen wird, danach sind weitere fünf Jahre „Nachsanierungsarbeiten“ eingeplant. Die ehemaligen Kumpels kämpfen bis heute um die Anerkennung ihrer Leiden als Berufskrankheit. Nur Lun- gen- und Bronchialkrebspatienten haben bislang eine Chance darauf. Auch die Anwohner waren einer hohen radioaktiven Belastung ausgesetzt: In Wohn- und Schlafräumen lag die Radon-Belastung bis zu 1000-fach höher als der Normalwert dieser Region.

Wenn in einem hoch entwickelten, finanziell und sozial abgesicherten Industrieland wie Deutschland die Sanierung von Altlasten des Uranabbaus schon so schwierig ist, kann man sich ausmalen, wie diese in ärmeren Ländern durchgeführt wird. Vermutlich gar nicht.

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

@chrismethmann