Rohstoffreichtum in der Mongolei

Endlose Weiten der Mongolei (M. Reckordt 2016)

Endlose Weiten der Mongolei (M. Reckordt 2016)

Wenn man an die Mongolei denkt, fallen einem zuerst die endlosen Weiten ein. Es entwickeln sich direkt romantische Vorstellungen von Viehherden, die in diesen Steppen und Graslandschaften weiden. Hirten treiben sie über das Land und kehren abends zurück in ihre Jurten, den aus Stoffen und Teppichen konstruierten Unterkünften. Die andere romantische Vorstellung von der Mongolei sind die Trampeltier-Karawanen durch die Wüste Gobi, der sechstgrößten Wüste der Welt im Süden des Landes. In der Realität liegen sowohl unter dem Wüstensand als auch unter dem Steppengras häufig Rohstoffe. Denn die Mongolei ist ein rohstoffreiches Land. An dieser Stelle endet die Romantik endgültig und eine scheinbare ökonomische Rationalität waltet, denn der Abbau dieser Rohstoffe war der Motor des Wirtschaftswachstums. Der Export von Metallen und Mineralien macht 80 Prozent der Gesamtausfuhren aus, 45 Prozent der Exportwerte entfällt alleine auf Kupfer. Darüber hinaus ist auch der Abbau von Gold, Kohle, Wolfram, Zinn, Molybdän, Flussspat und Uran bedeutend (vgl. Minegolia).

Kleinschürfer bei der Vorbereitung des Abstiegs in den Schacht (M. Reckordt 2016)

Kleinschürfer bei der Vorbereitung des Abstiegs in den Schacht (M. Reckordt 2016)

In den Jahren 2010 bis 2014 wuchs die Wirtschaft im Durchschnitt real um 14 Prozent und gehört zu den am schnellsten wachsenden Ländern der Welt. Ulaanbaatar, die Hauptstadt des Landes, wuchs rasch. Gläserne Bürotürme und mehrstöckige Wohnhäuser in der Millionenstadt bezeugen den Boom. Doch seit 2014 stagniert dieses Wachstum. Ein Grund dafür sind die rapide purzelnden Preise für Rohstoffe wie Kupfer oder Kohle. Auch die scheinbare ökonomische Rationalität entpuppte sich als ein Traum von Wachstum, der nicht viel gemeinsam hat mit der harten Realität. Denn auch dieses Wachstum ist umstritten, immer mehr Konflikte um einzelne Minen entstehen. Das Land steht an vielen Orten vor der entscheidenden Frage: Will es auf der einen Seite die Natur und die damit verbundene Kultur der Nomaden und Herden schützen, den Tourismus fördern und den romantischen Traum der einsamen Wildnis vermarkten oder auf der anderen Seite die Rohstoffe schnellst möglich ausbeuten, dabei die Natur zerstören und Lebensgrundlagen verlieren?

Diese Konflikte wurden auch deutlich auf dem diesjährigen Asia Europe People’s Forum (AEPF) in Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei. Alle zwei Jahre treffen sich zivilgesellschaftliche Organisationen, basisdemokratische Gruppen und AktivistInnen aus Asien und Europa im Vorfeld des Treffens der Staats- und Regierungschefs ASEM (Asia Europe Meeting). Vom 4. bis 6. Juli beteiligte sich PowerShift zusammen mit anderen Organisationen (u.a. Stiftung Asienhaus, Alyansa Tigil Mina, London Mining Network, ÖFSE, Save Malaysia – Stop Lynas, Christliche Initiative Romero, Mining Watch Romania, etc.) an der Vorbereitung von insgesamt drei Workshops zu Rohstoffabbau und seinen Auswirkungen.

AktivistInnen diskutieren Auswirkungen von Bergbau auf dem AEPF (M. Reckordt 2016)

AktivistInnen diskutieren Auswirkungen von Bergbau auf dem AEPF (M. Reckordt 2016)

Aus deutscher Perspektive ist die Mongolei noch einmal besonders interessant. So unterzeichneten die beiden Staaten am 13. Oktober 2011 die erste von vier deutschen Rohstoffpartnerschaften. Doch von den Hoffnungen, das Land würde ein wichtiger Lieferant für industrielle Rohstoffe in Deutschland, ist nicht viel übrig geblieben. Wie die Antworten von Staatssekretär Matthias Machnig vom 12. September 2016 auf eine kleine Anfrage der Grünen zu entnehmen ist, kommen nur wenige Rohstoffe wie Flussspat, Molybdän, Wolfram und Kupfer aus dem Land nach Deutschland. Alle machen nur einen jeweils geringen Importanteil aus. Versorgungssicherheit, das oberste Ziel dieser Rohstoffpartnerschaften, konnte so nicht erreicht werden, das heißt selbst die ökonomischen Ziele werden nicht erreicht.

In den Workshops mit AktivistInnen aus der Mongolei, Asien und Europa wurden zum einen einzelne Fallbeispiele und zivilgesellschaftliche Aktivitäten vorgestellt und diskutiert, aber in einem dritten Workshop auch ganz konkrete Handlungsoptionen erarbeitet.

Zivilgesellschaft ist nicht Willkommen in der Gatsuurt Mine von Centerra Gold (M. Reckordt 2016)

Zivilgesellschaft ist nicht Willkommen in der Gatsuurt Mine von Centerra Gold (M. Reckordt 2016)

Im Anschluss an das AEPF hat PowerShift die inhaltliche Organisation eines Kurztrips in den Norden des Landes von GER to GER unterstützt. Mit über 20 AktivistInnen aus unterschiedlichen Ländern haben wir uns mit den Konflikten vor Ort bekannt gemacht. Während die großen Minen im Süden des Landes vor allem mit den Herausforderungen der Wasserknappheit zu kämpfen haben, schien der Norden nahezu aufzublühen. Saftige Wiesen, viele Viehherden und hin und wieder kleinere Wasserläufe. Doch wirklich große Flüsse oder Seen gab es auch im grünen Norden nicht. Genau im Gegenteil, recht schnell wurde bei Gesprächen mit nomadisch lebenden Viehhirten klar, dass auch hier Wasserkonflikte zwischen lokaler Bevölkerung und Minenkonzernen existieren. Denn auch im Norden sind viele Wasserquellen umkämpft. Einige Hirten sprachen von „dem blauen Gold“, das sie gegen nichts eintauschen wollen würden. Vor allem die Gatsuurt-Goldmine eines kanadischen Konzerns Centerra erhitzt die Gemüter. Centerra will das Gold in einer Region gewinnen, in der sich heilige Stätten und historische Grabmale der Hunen befinden. Der Noyon Berg gilt als heilig. Zudem wird das Wasser flussabwärts von Hirten genutzt. Auf legalem Wege versuchen sie die Mine aufzuhalten, verweisen immer wieder auf die Ungereimtheiten der Lizenzvergabe.

Aktivistin im Dialog mit Konzern (M. Reckordt 2016)

Aktivistin im Dialog mit Konzern (M. Reckordt 2016)

Tserennadmid Osorbal, eine Aktivistin, die sich für den Erhalt des Bergs Noyon einsetzt, ist niedergestochen worden. Sie zeigt uns ihre Verletzung. Auch Kleinschürfer sind von Centerra bedroht, die an anderer Stelle, am Boroo Fluss, auch eine Goldmine errichten wollen.

Die Noyon Berge sind nur ein Ort, der umkämpft ist. Nach unserer Rückkehr in Ulaanbaatar trafen wir den Aktivisten Beejin Khastumur. Khastumur kämpft mit seiner Organisation Delhiin Mongol Nogoon Negdel (DMNN) gegen Rechtsverletzungen und Umweltzerstörung von Bergbaukonzernen. Laut eigenen Aussagen hat er schon Hunderte von ihnen schließen lassen. Damit hat er sich natürlich nicht nur Freunde gemacht. Er wurde mit einer konstruierten Klage eingeschüchtert, die aufgrund der Zeugenaussage einer einzelnen Person zu Stande gekommen war. Diese behauptete, Khastumur habe ihn nach einem Verkehrsunfall bedroht. Internationale Organisationen hatten sich dem Fall angenommen, u.a. Frontline Defenders. Auch Organisationen des AK Rohstoffe und von Stop Mad Mining setzten sich im Vorfeld für die Einstellung des Verfahrens ein. Die deutsche und die französische Botschaft entsendeten auf Anregung der Zivilgesellschaft Beobachter zu dem Prozess, der nach mehrfacher Verzögerung am 22. August mit dem Fallenlassen aller Anklagepunkte gegen Beejin Khastumur endete. Ein wichtiger Sieg für die Gerechtigkeit, aber sicherlich keine Entscheidung dahin gehend, welchen Weg das Land einschlagen wird.

Pferde spielen eine wichtige Rolle in der Mongolei (M. Reckordt 2016)

Pferde spielen eine wichtige Rolle in der Mongolei (M. Reckordt 2016)

Kleinschürfer mit seiner Tagesausbeute Gold (M. Reckordt 2016)

Kleinschürfer mit seiner Tagesausbeute Gold (M. Reckordt 2016)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

This article has been produced with the assistance of the European Union. The contents of this article are the sole responsibility of the Project (Co-) Beneficiaries, and can in no way be taken to reflect the views of the European Union.

Stop Mad Mining

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