„Re-Source 2009“ – BMU-Tagung zur Umweltgerechtigkeit

„Re-Source 2009“ – unter diesem schmissigen Titel fand vor etwa zwei Wochen in Berlin die erste gemeinsame deutsch-österreichisch-schweizerische Tagung zur nachhaltigen Ressourcen-Nutzung statt. Ziel der Veranstaltung, die mit hochkarätigen Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft gespickt war:

Unsere Länder möchten Strategien, wissenschaftlich‐technische Innovationen und praktikable Lösungsansätze für eine verstärkte Ressourcenschonung, unter Einbeziehung des gesamten Lebensweges von Materialien, anhand konkreter Beispiele mit abfallwirtschaftlichem Schwerpunkt präsentieren und mit Ihnen diskutieren.

Des gesamten Lebensweges? Huch, einen ganz entscheidenden Schritt haben die Organisatoren der Tagung und ihr Schirmherr Sigmar Gabriel da wohl doch vergessen: die Frage nämlich, wo all die wunderschönen Rohstoffe überhaupt herkommen. Von den 15 Vorträgen befasst sich kein einziger mit der Frage, unter welch unmenschlichen und ökologisch katastrophalen Bedingungen z.B. Coltan, Öl und viele andere Rohstoffe gewonnen werden, welche Rolle dabei auch deutsche Konzerne spielen, und was dagegen getan werden kann. Da scheint es irgendwie einen blinden Fleck zu geben. So verwundert es auch nicht, dass niemand von der kritischen Zivilgesellschaft oder gar aus einem der Rohstoff-Lieferländer geladen war.

Rohstoffe in Schutzgebieten

Ein Referent hat sich dennoch der Frage angenommen, wo die Rohstoffe herkommen: Unter dem Titel „Rohstoffsicherheit – Kernforderungen der Industrie“ referierte Dr. Carsten Kreklau vom BDI über die Probleme der deutschen Industrie bei der Rohstofferschließung. Neben der Empörung über Exportzölle für Kupferschrott, die China, Russland und die Ukraine infolge der Finanzkrise erhoben haben, ist ihm insbesondere die europäische Naturschutzgesetzgebung ein Dorn im Auge. Mit folgender eindrücklicher Grafik „beweist“ er, dass es quasi unmöglich ist, den Rohstoffreichtum Deutschlands anzuzapfen:

Seine Schlussfolgerung daher: Die Regierung solle „Möglichkeiten zur Gewinnung von Rohstoffen in und nahe NATURA 2000-Gebieten klarstellen“. Wie soll man die deutschen Rohstoffe denn sonst auch nachhaltig nutzen, wenn man nicht an sie rankommt?

@chrismethmann

2 Kommentare

  1. Wiebke H.

    Ich kann es kaum glauben, dass kein Vortragender das Thema der Ressourcengewinnung aufgegriffen hat!!! Sollte es tatsächlich so gewesen sein, dann ist diese Konferenz nicht ernst zu nehmen und diente in meinen Augen lediglich zum „Kaffee trinken“ in großem Stil!
    Auch zeigt sich bei dem vorgestellten Vortrag im Bolg wieder, dass eine reine Kosten / Nutzen Analyse nicht ausreichend ist um über die Verwenudng von natürlichen Ressourcen zu entscheiden, insbesondere nicht, wenn es sich dabei um Schutzräume handelt.

  2. Pingback: Umweltgerechtigkeit – das WEED-Blog zur Klima-, Ressourcen- & Umweltgerechtigkeit

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