Nachhaltigkeit mal richtig: Der 4. BDI-Rohstoffkongress

Morgens um 10:00 vor dem Haus der Wirtschaft, wo am 3. Juli der 4. BDI-Rohstoffkongress stattfand. Drei Mitarbeiter_innen des Nachhaltigkeitsteams des BDIs stellen den Kongressteilnehmer_innen das neue Nachhaltigkeitsprogramm des BDI vor. Sie verteilen kleine Pflanzen, an denen ein Kärtchen mit dem Motto „Verantwortung pflanzen – für jedes Opfer einen Baum“ baumelt. Über diese Wohltätigkeitsaktion sollen die Mitglieder des BDIs aufgerufen werden, für 20 Euro symbolisch zwei Bäume zu kaufen, die dann im Kongo gepflanzt werden.

Mitarbeiter des Nachhaltigkeitsteams des BDI verteilen Pflanzen und Flyer vor dem Haus der Wirtschaft, in dem der 4. BDI-Rohstoffkongress stattfindet.

„Aus der Demokratischen Republik Kongo gehen die Rohstoffe zu den Schmelzen, beispielsweise hier in Indonesien“,

erklärt mir ein eifriger Mitarbeiter und tippt mit dem Finger auf die Karte in dem Flyer.

„Wir beziehen also nicht direkt aus den Abbauregionen und können daher auch nicht zur Verantwortung gezogen werden für die negativen Auswirkungen des Bergbaus vor Ort. Aber wir wollen Rohstoffkreisläufe schließen und pflanzen daher diese Bäume in den Abbauregionen.“

Auf kritische Nachfragen, ob sich die deutsche Wirtschaft da nicht mit einem grünen Mäntelchen bedeckt aus der Verantwortung stehlen wolle, heißt es:

„Die deutsche Wirtschaft profitiert, immer. In diesem Falle insbesondere die Firmen, die dann die Bäume exportieren.“

Soso, dFlyer Nachhaltigkeit pflanzenie meisten Teilnehmer_innen fragen aber gar nicht genauer nach, einige finden die Aktion richtig gut. „Verantwortung pflanzen“ klingt auch doppelt gut: Grün und sozial. Nachlesen lässt sich das Ganze auf der Website der Aktion: www.nachhaltigkeit-richtig.de.

Nach 20 Minuten wird dem bereitstehenden Polizisten vom BDI mitgeteilt, er solle die Aktion stoppen. Über Twitter distanziert sich der BDI von der Website. Die letzten Blumen und Flyer werden dennoch verteilt.

Die CIR (Christliche Initiative Romero) hatte zu dieser Parodie auf freiwillige Unternehmensverantwortung eingeladen. Denn der BDI schaffte es bislang erfolgreich, jede Form verbindlicher Unternehmensverantwortung abzublocken. So wurde beispielsweise auch auf Drängen Deutschlands die EU-Regulierung zur Vermeidung von Konfliktrohstoffen vollkommen verwässert.

Die CIR hat als Mitglied des AK Rohstoffe ein Positionspapier vorgelegt, das für eine umfassende EU-Initiative zur Vermeidung von Konflikten beim Rohstoffabbau plädiert. Nur verbindliche Initiativen zur Sorgfaltspflicht und Unternehmensverantwortung können zur Verbesserung der Situation beitragen. Denn auch wenn es kein echtes Nachhaltigkeitsprojekt „Für jedes Opfer ein Baum“ gibt; existierende Initiativen wie „Metalle pro Klima“ sind ebenso dreiste Schönfärberei.

„Wir sind nicht die Problemverursacher, sondern mit die Problemlöser“,

stellte Ulrich Grillo klar. Es kommt eben darauf an, wie man das Problem definiert. Wenn ich mir das Programm des 4. BDI-Rohstoffkongresses so ansehe, ist das für sie ganz klar: Rohstoffsicherheit – auf Kosten von Mensch und Natur in den Ländern des globalen Südens.

Teaser: Nachhaltigkeit richtig?! „Verantwortung pflanzen – für jedes Opfer einen Baum“

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