Kohle – Auf Kosten anderer (Dokumentation und Berichte)

Die deutsche Kohle neigt sich dem Ende entgegen – zumindest die Steinkohle. Braunkohle hingegen boomt. Der heimische Energieträger, der Heimat zerstört. Das sehen die TeilnehmerInnen der heutigen Radtour „Keine Kohle mehr für Süd und Nord!“ in der Lausitz mit eigenen Augen. Erst im Juni stimmte die rot-rote Regierung in Brandenburg für die Ausweiterung der Braunkohleförderung: Welzow Süd II. Dafür darf Vattenfall weitere Dörfer abgegraben; 800 Menschen müssen umgesiedelt werden.

Cerrejon - Tagebau Patilla, hier wird Steinkohle oberirdisch auf riesigen Flächen abgebaggert.

Cerrejon – Tagebau Patilla, (c) Sebastian Rötters, PowerShift

Sebstian Rötters schlägt mit dem Vortrag „Menschenrechtsverletzungen im Schatten der Braunkohle – Welche Probleme sind verbunden mit der importierten Steinkohle aus Kolumbien oder Südafrika?“ den Bogen zu anderen Ländern. Steinkohle muss, wenn 2018 die letzte Zeche in Deutschland dicht gemacht wird, zu 100% importiert werden.

Wer dazu lieber bewegte Bilder sehen möchte, und/oder es heute nicht in die Lausitz geschafft hat, der kann heute Abend um 21 Uhr auf 3sat „Das schmutzige Geschäft mit der Kohle – Energie auf Kosten anderer“ ansehen. Von heute an ist die Dokumentation auch für eine Woche in der Mediathek zu finden:

Aus welchen Minen genau die großen Energieerzeuger ihre Kohle weltweit beziehen, wollen sie nicht verraten. Sie begründen dies mit den vielen Stationen der Kohle auf dem Weg nach Deutschland und wettbewerblichen Gründen. Allerdings verursacht der Kohleabbau weltweit gewaltige Umweltschäden. „Die Energieversorger hinterlassen einen ziemlich heftigen ökologischen Fußabdruck und verwischen den lieber, als sich der Verantwortung zu stellen“, kritisiert Sebastian Rötters von der Umweltorganisation PowerShift.

Titelseite des Dossiers: Bitter Coal von Sebastian RöttersDie Kohlekonzerne versuchen sich über wachsweiche Initiativen wie „Better Coal“ aus der Verantwortung zu stehlen. Das verbessert alleine die Außendarstellung für die beteiligten Unternehmen, verschleihert aber die wahren Kosten der Kohle, wie Sebastian Rötters schon 2013 in dem Dossier „Bitter Coal“ deutlich machte.

PAX Netherlands, eine Partnerorganisation aus den Niederlanden, nennt es: „The Dark Side of Coal„. In dem Report untersucht PAX die Verstrickung zwischen den Kohleunternehmen Drummond und Prodeco/Glencore und Paramilitärs, die die kolumbianische Bergbauregion Cesar von 1996 bis 2006 mit einer Welle von Gewalt überzogen haben. PowerShift hatte gemeinsam mit urgewald Marianne Moor von PAX nach Berlin eingeladen.

„Die Zeugenaussagen sowohl von Opfern als auch Tätern machen deutlich, dass die Bergbauunternehmen bis heute von dieser Kooperation profitieren. Die Paramilitärs haben Zehntausende Einwohner aus den Konzessionsgebieten von Drummond und Prodeco vertrieben. Die Morde und Morddrohungen haben den Kampf der Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen nachhaltig geschwächt. Und die Gewalt hat fast alle kritischen Stimmen aus der Zivilgesellschaft zum Schweigen gebracht“, so Moor.

Finanzierung für desaströse Steinkohle- und Braunkohleprojekte stammt zu 70% von nur 20 Banken weltweit, wie der Bericht „Banking on Coal“ offenlegt. Trotz Klimaschutzbemühungen hat die globale Kohleproduktion seit 2000 um fast 70 Prozent zugenommen und beträgt heute 7,9 Milliarden Tonnen jährlich. In Zentraleuropa sind Deutschland und Polen bedeutende Produzenten des Klimakillers Braunkohle. Zusammen fördern sie fast 25 Prozent der weltweiten Braunkohle.

„Dies hat in Polen genau wie in Deutschland schwerwiegende Auswirkungen auf die betroffenen Gemeinden. Banken sollten eine Energiewende finanzieren, statt auf alte, zerstörerische Energieformen zu setzen. Sie müssen aufhören Kohle zu finanzieren und zwar sofort“, fordert Sebastian Rötters von PowerShift, Mitautor der Studie.

Passend dazu gibt es morgen, am 23. August, die Anti-Kohle-Kette von Kerkwitz in der Lausitz über die Grenze nach Polen (Grabice). Aus vielen deutschen Städten fahren Busse TeilnehmerInnen zur Menschenkette (check hier). Wie es auch ohne fossile Energieträger gehen kann, macht im Übrigen gerade die kleine Kanaren-Insel El Hierro vor, wie beispielsweise die taz berichtete.
Lausitzcamp-2014-Titelbild-Menschenkette gegen Kohle

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