Klimaschutz im Sommerloch

Schwarzes LochDas diesjährige berüchtigte politische Sommerloch neigt sich dem Ende zu. Und wieder mal ist eigentlich nichts Ungewöhnliches passiert. Politiker fordern „Saufverbote“, Ulla Schmidt gönnt ihrem Dienstwagen ein wenig Urlaub, ein Wirtschaftsminister lässt Gesetze von denen formulieren, die sie regulieren sollen, und Delegierte aus 190 Staaten verhandeln über ein neues Klimaabkommen… – Huch? Stimmt, da war doch was, nur keiner hat es gemerkt. Tatsächlich gab es Klimaverhandlungen in Bonn. Dass das niemandem aufgefallen ist, liegt schlicht daran, dass wieder einmal nichts bei rausgekommen ist. Mehr und mehr erscheint der internationale Klimaprozess als zum Ritual geronnener Stillstand. Insgesamt verbleiben noch 15 Verhandlungstage bis zum Gipfel in Kopenhagen – nicht viel, wenn es überhaupt noch zu einem Erfolg kommen soll.

Seit den Verhandlungen in Poznan hat sich die Situation damit nicht wesentlich verändert. Noch immer geht es im Kern um Klimagerechtigkeit. Offenbar meinen die Industrieländer, eine Kombination aus Verwässerung eigener Klimaziele, Forderungen an Entwicklungsländer und Weigerungen, die eigenen ökologischen Schulden zu bezahlen, wäre der richtige Weg zum Abkommen. Während pro Jahr für Anpassung an den Klimawandel und Klimaschutz in Entwicklungsländern nach Schätzungen des WWF etwa 100 Mrd. $ nötig sind, bietet der Norden läppische 1-2 Mrd. $.

So lange der Norden nicht bereit ist, sich seiner Verantwortung für fast 200 Jahre CO2-Ausstoß zu stellen, sind weitere Verhandlungen Quatsch – oder werden zur schlichten Beschäftigungstherapie für die Verhandler.

Nachtrag: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters will allein die Afrikanische Union in Kopenhagen 67 Mrd. $ jährlich als Entschädigung für den Klimawandel fordern.

Noch ein Nachtrag: Das Internationale Institut für Umwelt und Entwicklung (IIED) hat nun vorgerechnet, dass die Kosten für die Anpassung an den Klimawandel nicht 40-170 Mrd. $ jährlich betragen werden, wie das UN-Klimasekretariat errechnet hat, sondern bis zu dreimal höher liegen können.