Keep the flow?

An manchen Tagen, wenn eigentlich andere dringende Sachen der Erledigung harren, treibt es einen ja besonders gerne zum sinnlosen Surfen im Internet. So auch heute. Und natürlich bot mir das weltweite Netz sofort was Ablenkendes in Form eines tollen YouTube-Videos an. Zum Tag der natürlichen Ressourcen, den das Umweltbundesamt als Side-Event zum World Resource Forum in Genf am 16. September in Berlin veranstaltet hat, hatte auch ein Kurzfilm zur Ressourcenproblematik Premiere: „FLOW – Beyond Climate Change“

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Der Film stellt recht anschaulich die Folgen der globalen Ressourcenungerechtigkeit dar. Aber irgendwie ist der Name dann doch Programm: Der Film fließt gefällig dahin, und eingelullt von der sanften Musik ertappt man sich dann irgendwann bei Minute 7 oder 8 bei dem Gedanken: „Achso, neue Waschmaschine mit Ultraschall und Ozon (!), na, wenn das so einfach ist, dann mal gleich los zu Mediamarkt…“ Und auch wenn es eine gute Idee ist, die Leiter mit der Nachbarin zu teilen (insbesondere weil ich selber keine besitze), bleibt am Ende, wenn der Film so an einem vorbeigeflossen ist, doch irgendwie der fahle Nachgeschmack hängen, dass die Sache irgendwie komplizierter ist…

Wenn man dann mal auf die Website vom World Resources Forum selbst schaut, findet sich dort ein Vortrag von Dennis Meadows (ja genau, der mit den Grenzen des Wachstums) mit dem verräterischen Titel „Perspectives on Limits to Growth 37 Years Later“ Wie bitte? 37 Jahre ist das tatsächlich schon her? Wenn man sich das anschaut, dann hat man den Eindruck, als würde Zeit zirkulär fließen. Da wird noch immer mit Grafiken hantiert, die beweisen sollen, dass die Grenzen des Wachstums bald nun echt kommen, dass Öl bald alle ist und so. Das ist ja alles richtig – aber stünde es so einer Veranstaltung nicht auch gut zu Gesicht, sich mal Gedanken zu machen, warum sich denn nun 37 Jahre nach den „Grenzen des Wachstums“ noch immer nichts geändert hat? Ich zumindest werde irgendwie den Eindruck nicht los, dass es nicht allein daran liegt, dass die Leute dem Nachbarn die Leiter nicht gönnen oder kein Geld für die neue Ozon-Waschmaschine haben…

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Das ist sicher nicht falsch, solche Vorträge und Filme zu machen. Aber irgendwie scheinen die Probleme tiefer zu liegen – Gibt es nicht vielleicht doch wirtschaftliche Machtstrukturen, die einen Strukturwandel verhindern? Verdienen nicht doch ein paar Leute aus dem virtuellen „wir“, das zu viele Ressourcen verbraucht, auch noch besonders gut daran, dass es so ist, und blockieren Veränderungen? Anders kann ich  mir zumindest nicht erklären, warum sich in 40 Jahren kaum was verändert hat, wo es doch angeblich so einfach ist. Und muss es deswegen nicht eher darum gehen, mal über diese Blockaden nachzudenken und eventuell Gegenmacht zu formieren? Wo, wenn nicht auf einer solchen Tagung mit globalem Anspruch, wäre der Ort, das zu tun? Aber gut, auf der anderen Seite kann ich das ja alles doch verstehen. Ich bin ja selbst nicht anders: Ich beschäftige mich auch gerne mit Ablenkung, wenn eigentliche viel wichtigere Dinge der Erledigung harren.

@chrismethmann

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