In der Nische parkt der Trend

Elektroautos auf der Überholspur

titelt die Frankfurter Rundschau. Die Süddeutsche Zeitung schreibt:

Elektroautos im Rückwärtsgang

Barbara Wilms: Elektroautos stehen zur Testfahrt bereit (flickr mit CClicense_4666552067_4808edcbf5_z)

Barbara Wilms: Elektroautos stehen zur Testfahrt bereit (flickr mit CClicense_4666552067_4808edcbf5_z)

Ja was denn nun? Die Internationale Automobil-Ausstellung ging am vergangenen Sonntag zu Ende und die Veranstalter schienen einhellig darum bemüht, Elektroautos zum Trend zu erklären. Auch wenn die Realität vollkommen anders aussieht. Gerade einmal 4.000 Elektroautos rollen über Deutschlands Straßen. Wie daraus bis 2020 1.000.000 Elektro-Fahrzeuge werden sollen, wie sie die Kanzlerin wünscht, ist nicht absehbar. Berlin soll mit rund 150 Projekten dem Elektrowagen aus der Nische helfen, ihn hip und massentauglich machen. Vielleicht hilft dann das Motto: Elektroauto macht arm, aber sexy. Handfeste Förderungen gibt es für die vergleichsweise teuren Modelle jedenfalls nicht.

Und das ist auch gut so! Denn so grün, wie sie gerne dargestellt werden, sind die heutigen Elektroautos bei weitem nicht. Klimafreundlicher sind die strombetriebenen Fahrzeuge schießlich ohnehin nur, wenn ausschließlich Ökostrom getankt wird. Ein Solar-Carport wird sich jedoch nicht jede/r anschaffen. Stromtankstellen der Kohlekonzernen RWE oder Vattenfall werden im üblichen fossilen Mix betrieben und hinterlassen darüber – neben jeder Menge Treibhausgase – auch einen bitteren Beigeschmack: Bitter Coal. Doch Wirtschaft und Politik sind nicht nur bei der Kohle eng verbandelt. Die derzeitige Politikpläne von Angela Merkel würden den großen deutschen Automobilkonzernen ermöglichen, über einen kleinen Elektrowagen im Sortiment Bonuspunkte erhalten, mit denen sie sich dann ihre CO2-Bilanzen schön rechnen können. So tragen dann die Elektromodelle selbst zur Förderung von Benzinschluckern bei. Alternative Automobil- und Energiekonzepte werden so ausgebremst.

Doch in einem Auto steckt noch so viel mehr Zündstoff. Die Umweltfrage fängt nicht erst beim Verbrauch an. In die Herstellung eines jeden Wagens fließen Unmengen an Ressourcen. Bei Elektroautos sind dies teils mehr und teils andere (Rohstoffe für die Elektromobilität). Insbesondere wenn Elektrowagen nur als Zweit- oder gar Drittwagen angeschafft werden, wächst der allgemeine Rohstoffverbrauch massiv.

Grafik aus Steckbrief_Ueberblick  (@ Marcel Zienert)

Der Bedarf an Aluminium beispielsweise steigt  in Elektroautos immens an. Welche Probleme mit dem Abbau von Bauxit und der Verhüttung zu Aluminium verbunden sind, erklärt der PowerShift Steckbrief „Aluminium – Die neue Leichtigkeit des Seins„. Auch der Kupferbergbau hat seine Schattenseiten. Diesen wird in „Kupfer – Die schwarzen Flecken des roten Goldes“ nachgegangen. Und „Lithium – Ein Stoff, nicht nur zum Träumen“ macht deutlich, dass die Verbesserung der Reichweite nicht die einzige Herausforderung für die Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien ist. Solange Ressourcen verschwendet werden, solange die Automobilhersteller ihre Rohstoffbeschaffung nicht verändern und solange der Strom nicht nicht allein über Erneuerbare Energien gewonnen wird, solange können Elektroautos getrost weiter in der Nische parken.

1 Kommentar

  1. Philipp Thalberg

    Ich glaube nicht daran, dass es künftig viele Elektroautos geben wird, da wird die Politik und ihre Lobby schon für sorgen!

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