Gütesiegel für Rohstoffe

Cover: Study on Rare Earths and their recycling by Öko-Insitut & The GreensVor kurzem hat die EU-Kommission nun tatsächlich ihren Entwurf für eine neue Rohstoffstrategie vorgelegt (sie auch diesen Beitrag). Neben Vorschlägen zu einer Vorratswirtschaft und dem bekannten Wunsch nach Marktöffnung für die seltenen Erden im Süden, soll auch darauf hingewirkt werden, dass Rohstoffeinnahmen keinen Bürgerkrieg mehr finanzieren. Auch das Öko-Institut schlägt in seiner jüngsten Studie für die grüne Fraktion im Europaparlament vor, ein EU-China Zertifizierungssystem für das „sustainable mining“ der seltenen Erden einzurichten und so Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen entgegenzuwirken.

Mich hat dieser theoretisch gut klingenden Vorschlag an eine Reportage erinnert, die vor einigen Wochen im ZEITmagazin erschienen ist und die ich für sehr lesenswert halte. Sie handelt von einem deutschen Geologen, der im Rahmen eines deutschen EZ-Projektes versucht, ein solches Zertifizierungssystem im Kongo einzurichten. Nun geht es dort nicht um seltene Erden, sondern um Coltan, und sicher schafft der Quasi-Bürgerkrieg in der Region extreme Bedingungen. Doch der Text liefert ein anschauliches Beispiel für die Komplexität der Rohstoffproblematik und bringt das Problem mit der Zertifizierung sehr gut auf den Punkt:

„Doch wer sieht einem in China oder Malaysia eingeschmolzenen, über Korea oder Russland an Apple oder Nokia gelieferten Material noch seine Herkunft an? Als ein Leser der New York Times kürzlich in der Chefetage von Apple anfragte, ob man sich dafür verbürgen könne, ausschließlich konfliktfreie Materialien zu verwenden, kam die Antwort prompt: Apple verpflichte seine Lieferanten zu sauberen Rohstoffen, Garantien gebe es aber keine.“

Und die bisherigen Versuche, dieses Problem mit wissenschaftlichen Methoden zu lösen, scheitert an den Machtverhältnissen und der Unübersichtlichkeit der Verhältnisse vor Ort. So wird Coltan z.B. in vielen extrem kleinen und lebensgefährlichen Minen abgebaut, die für deutsche Geologen kaum sicher zu identifizieren, geschweige denn zu zertifizieren sind. Der Artikel schließt daher mit den eher ernüchternden Worten: „Das deutsche Gütesiegel für kongolesisches Erz bleibt vorerst vor allem eins: eine schöne Idee.“ Ob Barroso wohl zu den Lesern des ZEITmagazins zählt?

@chrismethmann

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