Die Folgen unseres Rohstoffhungers

Wenn Muhammadu Bah, der 64-jährige Dorfchef von Hamdallaye, durch sein neues Dorf geht, dann sieht er nichts als diese karge Mondlandschaft. Alle landwirtschaftlichen Aktivitäten, die einst den Lebensunterhalt des Dorfes sicherten, wurden auf einen Schlag unmöglich gemacht. Die Bewohner*innen von Hamdallaye wurden umgesiedelt und das alte Dorf zerstört, damit die dort lagernden Rohstoffe abgebaut werden können.

Die Folgen der Umsiedlung sind für die Dorfbewohner*innen katastrophal. Den meisten Menschen ist das Geld ausgegangen. Einige wurden genötigt, in die umliegenden Dörfer abzuwandern. Ausreichend entschädigt wurden die Menschen für das enteignete Land bis heute nicht. Und das, obwohl das guineische Gesetz und internationale Vereinbarungen Entschädigungen vorsehen.

Wir schaffen Öffentlichkeit für die Folgen des Rohstoffabbaus weltweit, kämpfen für Veränderungen und arbeiten für eine grundlegende Wende bei der Nutzung von Rohstoffen. Unterstützen Sie uns bei unserer Arbeit!

Hamdallaye bietet dem Bergbauunternehmen die Stirn

Bah und die anderen Dorfbewohner*innen wehren sich mit einer Klage vor der Weltbank. Sie nutzen alle ihnen zur Verfügung stehenden Kanäle, um Aufmerksamkeit für ihre Lage zu generieren. Gemeinsam mit den Menschen aus Hamdallaye haben PowerShift, FIAN und Rettet den Regenwald eine Kampagne gestartet, in der wir uns für eine Entschädigung der Opfer der Bauxitmine und eine effektive gesetzliche Regelung einsetzen, die solche Fälle in Zukunft verhindert. Denn, Hamdallaye ist kein Einzelfall. Immer wieder kommt es beim Rohstoffabbau zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung.

Wir treten für Veränderungen ein, doch es braucht mehr Druck auf die Entscheidungsträger*innen und mehr Öffentlichkeit für Fälle wie den von Hamdallaye. Daran arbeiten wir. Für die Fortführung unserer Kampagne und die Lobby- und Netzwerkarbeit brauchen wir Ihre Unterstützung.

Unsere Arbeit zeigt Wirkung. Mehr ist notwendig.

Am Montag, den 17.5.2021, haben wir die Petition „Garantiert ungerecht - Vertreibung mit deutscher Unterstützung“ an zwei Vertreter*innen des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) überreicht. Bis heute haben fast 100.000 Menschen unterschrieben. Zwei Tage später waren wir als Sachverständige im Bundestag und forderten die Bundesregierung auf, endlich zu handeln und die Situation zu verbessern.

Unter dem Druck unserer Kampagne hat das Bergbauunternehmen Compagnie des Bauxites de Guinée (CBG) das örtliche Gesundheitszentrum am 26. Mai 2021 mit Medikamenten ausgestattet und zwei Ärztinnen geschickt. Doch: Weitere Schritte müssen folgen. Eine bessere medizinische Versorgung ist keine Wiedergutmachung für Landraub und Menschenrechtsverletzungen. Sie verbessert die Lebensqualität in Neu-Hamdallaye nur marginal.

Auch die Medien berichten immer wieder über den Fall von Hamdallaye und seinen Implikationen für Deutschland, zuletzt in der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ vom 22.06.2021.

Wir müssen das jetzt entstandene Momentum nutzen: Mit Aktionen, Lobbyarbeit und unserer Kampagne. Deutschland darf nicht wegschauen, wenn Menschenrechte, Umwelt und Klima mit Füßen getreten werden. Lassen Sie uns gemeinsam für mehr Verantwortung eintreten. Die Zeit drängt. Unterstützen Sie unsere Arbeit!

Was muss folgen?

Die Bergbaufirma muss die von ihr verursachten desaströsen Lebensbedingungen der Menschen verbessern und eine angemessene Entschädigung an die betroffene Bevölkerung zahlen.

Aber nicht nur die Bergbaufirma muss aktiv werden, auch die Bundesregierung muss ihrer Verantwortung nachkommen. 90% des nach Deutschland importierten Bauxits stammt aus Guinea. Es wird zu Aluminium weiterverarbeitet, welches für die Herstellung von Verpackungen und Auto-Karosserien genutzt wird. Die Bundesregierung hat für die Erweiterung der Mine eine sogenannte Ungebundene Finanzkredit-Garantie vergeben, um den Bauxit-Import zu sichern. Eigentlich darf diese Art von Kreditgarantien nur bewilligt werden, wenn alle einschlägigen internationalen Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsstandards eingehalten werden. Das war hier nicht der Fall. Die Bundesregierung trägt daher eine Mitverantwortung.

Diese Praxis der Missachtung der eigenen Standards muss sich ändern. Die Bundesregierung muss darauf hinwirken, dass Kreditgarantien in Zukunft nur noch an Unternehmen vergeben werden, die ihrer in den UN-Leitprinzipien beschriebenen menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten nachkommen.

Damit das geschieht, müssen wir unsere Kampagnen- und Lobbyarbeit intensivieren und unsere Forderungen für den Schutz von Umwelt und Menschenrechten beim Abbau immer wieder in die Debatte einbringen. Eine echte Wende bei der Nutzung von Rohstoffen, eine Kreislaufwirtschaft, eine Verbesserung des kürzlich verabschiedeten Lieferkettengesetzes und Transparenz bei der Kreditvergabe könnten Abhilfe bringen, für die betroffenen Menschen und für die Umwelt. Doch für diesen Kampf brauchen wir Ihre Hilfe.

Ihre Stimme zählt! Falls Sie es noch nicht getan haben, können Sie unsere gemeinsame Petition unterschreiben und in Ihren sozialen Netzwerken teilen.