Energieintensiver Klimaschutz

huhn-0008Ein blindes Huhn findet auch mal einen Korn. So oder so ähnlich hätte die jüngste Rede des Präsidenten der Wirtschaftsvereinigung Metalle, Ulrich Grillo, überschrieben sein können. Neben dem üblichen Gequatsche über Wachstum, Innovation und Arbeitsplätze, die laut Grillo der Nichteisen-Metallindustrie zuzurechnen sind, findet sich dort auch folgender Satz:

„Wir sind als energieintensive Industrie unverzichtbarer Klimaschützer und leisten unseren Beitrag zur Wertschöpfungsintensität Deutschlands!“

Energieintensiv und Klimaschutz in einem Satz? Ich habe mir auch erst dreimal die Augen gerieben. Aber Grillo weist auf einen für Ökos ganz unangenehmen Punkt hin:

„Angefangen von Elektrofahrzeugen, Windrädern, Glasfasern, Kondensatoren, solarthermischen Kraftwerken, Displays, Implantaten oder Superlegierungen – Metalle werden überall gebraucht.“

Und tatsächlich: Viele Pläne zum ökologischen Umbau der Industriegesellschaft – ob sie nun Green New Deal heißen oder anders – unterschlagen, dass zu all dem auch immer materielle Stoffe gebraucht werden, die nicht gerade üppig vorhanden sind und deren Abbau auch nicht unproblematisch ist. Symbolisch hierfür ist wohl der Abbau von Lithium, das für die Batterien von Elektroautos notwendig ist. Ein großer Teil der weltweiten Vorräte liegt in einem Salzsee in Bolivien. Die lokale Bevölkerung ist nicht wirklich heiß auf den Abbau, viele multinationale Konzerne hingegen wollen gern unbeschränkt schalten und walten können. Es handfester Konflikt um Ressourcen zeichnet sich ab.

Auch Grillos Schlussfolgerungen laufen nicht auf einen sparsameren Umgang mit Ressourcen raus oder auf ihre gerechte Verteilung. Als Sprachrohr der deutschen Metallindustrie geht es ihm um freie Fahrt für Konzerne – Pardon: „Rohstoffversorgungssicherheit“ heißt das bei ihm natürlich.

@chrismethmann