Die Grenzen des Energiesystems?

Screenshot der Titelseite_Searching for a miracle by Richard Heinberg Nov 12, 2009 (http://www.postcarbon.org/report/44377-searching-for-a-miracle)Wie sieht die Zukunft der Energiepolitik aus? Am Wochenende hat Umweltminister Norbert Röttgen seine neue Agenda in der süddeutschen Zeitung offen gelegt. Für einen CDU-Politiker las sich das recht progressiv (wobei die angemahnte „ziemlich grundlegende Änderung in der Wirtschaftsweise“ dann doch eher wolkig klingt). Wie auch immer, auch in der CDU ist nun angekommen, dass der schnelle Ausbau erneuerbarer Energien Priorität besitzt. Wichtig ist deswegen ein „zukunftsfähiger Energiemix“ (Natürlich wissen wir, dass der bei der CDU auch die Atom- und Kohlekraft beinhaltet). Dass es den aber überhaupt gibt, das bezweifelt ein in der vergangenen Woche veröffentlichter Bericht des International Forum on Globalization und des Post-Carbon Institute.

Weder mit fossilen Energieträgern, so die These, noch mit Erneuerbaren Energien lässt sich langfristig der Energiehunger des sich globalisierenden Kapitalismus decken. Der Grund, warum die meisten Energiekonzepte dies irrtümlich annähmen, liege in der Vernachlässigung der sog. „Netto-Energie“, die ein Energieträger bereitstellt. Im Klartext: Wir müssen genau schauen, wieviel Energie wir in den Aufbau eines Energiesystems investieren, bevor wir es bewerten. Und die Autoren kommen zu dem Schluss, dass dieser Energie-Input bei den meisten uns bekannten Technologien viel zu hoch sei, als dass es sich unter dem Strich rechne. Ein Beispiel: Zwar decken Schweden und Island heute ihren Energiebedarf zum großen Teil durch Wasserkraft bzw. Geothermie. Der Aufbau dieser Energiesysteme sei aber überhaupt nur durch den Einsatz fossiler Energien möglich gewesen. Ohne Kohle und Öl hätte kein Staudamm gebaut werden können.

Übertragen auf die heutige Weltwirtschaft, stellt uns das vor ein ziemliches Problem. Denn selbst wenn es prinzipiell möglich wäre, den Ausbau der Erneuerbaren nur auf die bestehenden Erneuerbaren zu gründen, würde das dann viel zu lange dauern. Die Schlussfolgerung der Autoren: Erstens müssen wir massiv ins Energiesparen investieren. Und zweitens, jetzt wird es unangenehm, unsere Fokussierung aufs Wirtschaftswachstum ablegen. Ein paar nette Worte über alternative Wachstumsindikatoren findet zwar auch Röttgen. Aber ich befürchte, dass ihm wie den meisten nicht klar ist, was für ein fundamentale soziale und ökologische Transformation damit verbunden wäre. Von notwendigen politischen Schritten, um unseren Ressourcenhunger so einzudämmen, ganz zu schweigen.

@chrismethmann