Crashkurs Rohstoffpolitik vom 09.09.2016 bis 10.09.2016 in Goslar

Am 9. und 10. September veranstalteten PowerShift e.V. und Partnerorganisationen den „Crashkurs Rohstoffpolitik“ in Goslar. Die 23 Teilnehmenden setzten sich überwiegend aus Ehren- und Hauptamtlichen bei NGOs zusammen, aber auch ein Parteivertreter, ein Fachjournalist sowie Mitarbeiter einer Initiative zu recycelten Rohstoffen waren vertreten. So konnte die Veranstaltung nicht nur dem gemeinsamen Lernen, sondern auch dem Austausch und der Vernetzung dienen.

Die Teilnehmenden im Bergwerk Rammelsburg (©: M. Reckordt).

Die Teilnehmenden im Bergwerk Rammelsburg (©: M. Reckordt).

Goslar ist dabei ein äußerst geeigneter Ort, um über Rohstoffförderung und seine Folgen zu diskutieren: Die Stadt blickt auf tausend Jahre Bergbau zurück. Nach einer Begrüßung und Vorstellungsrunde statteten wir also sogleich dem Bergwerk Rammelsberg einen Besuch ab: Bis 1988 wurde hier Erz gefördert, seit 1992 gehört das Besucherbergwerk zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mit Schutzhelmen auf dem Kopf und dicht gedrängt ging es mit der Grubenbahn in den Schacht. Wir reisten durch das letzte Jahrhundert der Bergarbeiter und lernten die sich im Laufe der Zeit fortentwickelten Techniken des Bohrens, Sprengens und Förderns kennen.

Als wir wieder die Sonne erblickten und das Gelände verließen, wurde jedoch schnell klar: Bergbau und Hüttenindustrie sind in Goslar mitnichten nur museale Vergangenheit. Stattdessen prägen sie bis heute den Landkreis, und das nicht nur durch die „Glück auf“-Apotheke. Über eintausend erfasste altlastverdächtige Flächen und festgestellte Altlasten sowie eine nahezu flächendeckende Bodenbelastung im gesamten Landkreis gehören zu den ökologischen Folgen des Bergbaus bzw. der unsachgerechten Lagerung der nicht verwendeten Reste. Diese und andere Problematiken zeigte uns der Geologe Friedhart Knolle vom BUND in einer vierstündigen Führung auf. Arsenhaltige Schlämme in einem Damm; schwermetallbelastete Sedimente, die immer wieder in die Oker gelangen; umzäunte Flächen und „Betreten verboten“-Schilder. Doch Grundwasser lässt sich nicht umzäunen.

Friedhart Knolle (BUND) zeigt eine Pflanze, die sich den schwermetallbelasteten Böden angepasst hat (©: M. Reckordt).

Friedhart Knolle (BUND) zeigt eine Pflanze, die sich den schwermetallbelasteten Böden angepasst hat (©: M. Reckordt).

Nach dieser bedrückenden Tour ging es mit einem nicht minder bedrückenden Blick in die Zukunft weiter: Klaus Schilder (MISEREOR) sprach zum Tiefseebergbau: „Wie kommen Sorgfaltspflichten und staatliche Regeln zur Anwendung?“ Denn ähnlich naiv und blauäugig, wie in der Vergangenheit mit den Abfällen des Bergbaus in Goslar umgegangen wurde, scheint die Menschheit sich dem Thema Rohstoffabbau in der Tiefsee zu widmen. Mögliche Folgen und Langzeitschäden der Extraktion sind kaum vorher zu sehen, die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen.

Der Samstagvormittag war mit vier Vorträgen ebenfalls lehrreich: Regine Richter (Urgewald) führte in „Ungebundene Finanzkredite und Hermesbürgschaften“ ein, bevor Sarah Lincoln (Brot für die Welt) über den aktuell diskutierten Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte und menschenrechtliche Sorgfaltspflichten sprach. Anschließend informierte Johanna Sydow (GermanWatch) über „Konfliktrohstoffe und menschenrechtliche Auswirkungen“, gefolgt von Michael Reckordt (AK Rohstoffe / PowerShift) über die „Entstehung der Rohstoffpolitik unter Einfluss der Wirtschaft“.

Diesem Einfluss der Wirtschaft spürten wir ebenfalls in einem interaktiven Rollenspiel nach: Im Vorfeld wurde allen Teilnehmenden eine Rolle aus der Politik, Wirtschaft oder Zivilgesellschaft zugewiesen, die sie schließlich kurz referierten. So konnte das Gelernte anhand der unterschiedlichen Positionen realer Akteur/innen noch einmal vertieft werden. Zu Wort kamen Vertreter/innen des Bundesverbands der Deutschen Industrie, der Regierung und Opposition, sowie zivilgesellschaftlicher und kirchlicher Verbände.

Zum Abschluss gingen wir auf die Forderungen der deutschen Zivilgesellschaft ein und diskutierten Handlungsperspektiven kritischer Rohstoffarbeit.

Organisiert von PowerShift, Brot für die Welt, in Kooperation mit FIAN Deutschland, Südwind Institut, Christliche Initiative Romero, Oxfam Deutschland, Forum Umwelt und Entwicklung, Stiftung Asienhaus, philippinenbüro im Asienhaus, FDCL, kolko, Africavenir, attac, infoe, Heinrich Böll Stiftung,  Inkota Netzwerk, terre des hommes, BUND Regionalverband Westharz, KOSA, STOP Mad Mining