Berlin kann sich Kohle nicht mehr leisten

Der 5. IPPC Bericht liegt auf dem Tisch. Da das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPPC) bereits bestehende Forschung und Studien zum Klimawandel zusammenfasst, sind die Ergebnisse in der Richtung nicht überrraschend. Die Sicherheit, mit der die Menschen die dominante Ursache für die Erwärmung seit den 1950er Jahren ist, steigt. Sie wird mittlerweile mit 95% angegeben, das entspricht dem Wahrscheinlichkeitsgrad mit dem Rauchen Krebs auslöst.  Dafür, dass es absolute Sicherheit in der Wissenschaft nie geben kann, ist dieser Wert schon sehr beeindruckend. Die Grafiken machen außerdem deutlich, dass es zwar immer Schwankungen in den Temperaturen gegeben hat und geben wird, aber dass der Trend ungebrochen ist (mehr Infos und weitere Grafiken unter RealClimate).

The measured global temperature curve from several data sets. Top: annual values. ​​Bottom: averaged values ​​over a decade (IPCC Report 5, 2013)

Die Zeit den Trend zu stoppen, nimmt rapide ab.

There is a global limit on a safe level of emissions. That means major fossil fuel reserves must be left in the ground. That has huge implications for economic and social development.

erklärte dazu Mary Robinson, die frühere Präsidentin Irlands und Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte (1997-2002). Bill McKibben macht in seinem Artikel Global Warming’s Terrifying New Math im Rolling Stone zum einen deutlich, wo diese Grenzen liegen, und zum anderen, wer alles daran setzen wird, dass es eben kein Umsteuern in der ökonomischen und sozialen Entwicklung gibt. Vattenfall, das schwedische Staatsunternehmen, verdient in und um Berlin ganz gut mit der Kohle. Eine Wende ist nicht in Sicht, zumal alle Kohlekonzerne enge Beziehungen zur Politik aufgebaut haben, wie das Schwarzbuch Kohle von Greenpeace offenlegt.

Doch gerade die Länder und Regionen, die in den letzten Jahrzehnten Unmengen an CO2 in die Atmosphäre geblasen haben, müssen nun schnellstens handeln. Und mit über 80% sind die fossilen Brennstoffe nun einmal die Hauptquelle für Treibhausgase in Deutschland.

Berlin steht auf Kohle

Die Hälfte der Berliner SDrucktrom- und Fernwärmeproduktion basiert auf Braun- und Steinkohle – Tendenz steigend. Dabei ist die Verbrennung von Kohle die klimaschädlichste Form der Stromerzeugung.Die offenen Braunkohle-Tagebaue, z.B. in der Lausitz, vernichten ganze Dörfer, Wälder und Felder. Die in Deutschland verstromte Steinkohle hinterlässt weltweit Spuren. Denn gut dreiviertel der Kraftwerks-Steinkohle wird importiert: aus den USA, Polen, Russland, aber auch Kolumbien und Südafrika. Auch Vattenfall bezieht Kohle aus den Ländern des globalen Südens. Die genaue Herkunft wird jedoch verschwiegen – wohl wissend, dass der Kohlebergbau massive negative Folgen für die lokale Bevölkerung hat. In Kolumbien verlieren Indigene ihr Land und in Südafrika wird die Trinkwasserversorgung für unseren Strom aufs Spiel gesetzt. Die unter dem Druck negativer Presseberichte entstandene Konzerninitiative „Better Coal“ hat schwache Ziele, die zudem vollkommen unverbindlich sind. Eine Verbesserung der Menschenrechtssituation und der Umweltbedingungen ist dadurch nicht zu erwarten.

Der aktuelle IPCC Bericht macht deutlich: Berlin kann sich die Kohle nicht mehr leisten. Klima, Umwelt und Menschenrechte dürfen nicht weiter einer ignoranten Energiepolitik geopfert werden. Die Berliner Landesregierung kann dabei nicht länger auf eine unverbindliche Klimaschutzvereinbarung und mündliche Äußerungen des Energiekonzerns Vattenfall setzen. Bis spätestens Ende 2014 muss sie einen Ausstiegsplan aus der fossilen Energienutzung für Berlin vorlegen, der auch die Folgen unserer Kohleimporte berücksichtigt und sich für Klimagerechtigkeit stark macht. Diskutiert am 15.10. um 19:00 mit uns (Programm): Berlin steht auf Kohle.

 

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