Bericht: Crashkurs Rohstoffpolitik 2015 in Dresden und Freiberg

Der diesjährige Crashkurs, veranstaltet von PowerShift, INKOTA, Brot für die Welt und zahlreichen KooperationspartnerInnen aus der Zivilgesellschaft, stand im Zeichen lokaler, nationaler und europäischer Rohstoffpolitik und ihren jeweiligen Strategien. Dabei wurden Dresden und Freiberg bewusst als Veranstaltungsstätten gewählt, da Sachsen eines der rohstoffreichsten Bundesländer Deutschlands ist und neben Bayern über eine eigene Rohstoffstrategie verfügt.

Der Crashkurs begann inhaltlich bereits am Montagabend (07.09.) mit einem Webinar, in welchem Beate Schurath von INKOTA und Michael Reckordt von PowerShift eine Einführung in die sächsische bzw. in die deutsche Rohstoffstrategie gaben. Der erste Tag des Crashkurses in Dresden begann mit einer Vorstellungsrunde der TeilnehmerInnen, die aus Sachsen, Brandenburg, Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen angereist waren. Die unterschiedlichen Arbeits- und Forschungsbereiche sowie Motivationen zur Teilnahme führten im gesamten Verlauf des Crashkurses zu angeregten Gesprächen und Diskussionen. Im Anschluss daran fuhr die Gruppe in die nahe gelegene „Silberstadt“ Freiberg, um die dortige Reiche Zeche zu besichtigen.

TeilnehmerInnen in der Reiche Zeche in Freiberg

TeilnehmerInnen des Crashkurses in der Reiche Zeche in Freiberg (Michael Reckordt, 2015)

Eine zweistündige Führung durch das „unterirdische Freiberg“ verdeutlichte einmal mehr unter welchen extremen Bedingungen die Silbererze abgebaut wurden. Das Freiberger Bergrevier hat seine Anfänge im 12. Jahrhundert und reicht bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Heute ist es Bestandteil des Forschungs- und Lehrbergwerkes der TU Bergakademie Freiberg. In seiner gesamten Bergbaugeschichte wurden ca. 5.000 Tonnen Silber aus dem Boden des Reviers geholt.

Im Anschluss an die Führung folgte ein Gespräch mit den beiden Direktoren des Helmholtz- Instituts Freiberg für Ressourcentechnologie Prof. Gutzmer und Prof. Reuter und weiteren MitarbeiterInnen. Prof. Gutzmer gab eine Einführung zur Arbeitsweise und den Forschungsgebieten des Instituts und lud die TeilnehmerInnen zu einer offenen Diskussion ein.

So stellten sich die Direktoren den durchaus kritischen Fragen, die von den TeilnehmerInnen des Crashkurses eingebracht wurden. Welche Position nimmt die Wissenschaft im Zusammenhang mit der deutschen Rohstoffstrategie ein und welche Forschungsziele und Forschungspraxen verfolgt es? Des Weiteren wurde über Recycling-Methoden im Elektronik-Bereich sowie über Explorationsvorhaben in Deutschland und weltweit debattiert.

In der sächsischen Rohstoffstrategie ist auch der Abbau heimischer Rohstoffe geplant. Michael Reckordt, 2015

In der sächsischen Rohstoffstrategie ist auch der Abbau heimischer Rohstoffe geplant (Michael Reckordt, 2015)

Am Freitagabend vertiefte Dr. Jana Pinka, Mitglied des Sächsischen Landtages für die Fraktion „Die Linke“ und Diplommineralogin, die Rohstoffstrategie Sachsens. Dabei gab sie einen historischen und aktuellen Überblick über den sächsischen Bergbau und schaffte es mit ihrer wissenschaftlichen Expertise zu Mineralien den überwiegend fachgebietsfremden ZuhörerInnen einen anschaulichen Überblick über chemische Prozesse im Rohstoffbereich zu geben. Im Anschluss stellten Dr. Nadja Müller und Anne Schuster von Sukuma Arts e.V. ihr Projekt „Sukuma Award“ vor. Der „Sukuma Award“ fördert und prämiert, Kurzfilme, die sich mit globaler Nachhaltigkeit auseinander setzen. Zudem berichteten sie über ihr „Schulkino“ Projekt, welches Kinder und Jugendliche spielerisch und durch Medientraining an globale Themen, wie Konfliktmineralien, heranführen soll. Das diesjährige Thema für die Film- Spots orientiert sich am internationalen Jahr des Bodens und lautet „eine bodenlose Frechheit“. Im Anschluss informierte Ammar Cuk über das faire IT- Unternehmen NagerIT aus Bayern, welches pionierhaft versucht die gesamte Lieferkette einer Computer-Maus transparent zu machen, um somit ein gänzlich faires IT-Produkt herzustellen.
Der zweite Tag des Crashkurses fokussierte am Vormittag die Entstehung der Rohstoffpolitik unter Einfluss der Wirtschaft durch Michael Reckordt; Regine Richter von urgewald erläuterte die Außenwirtschaftsförderinstrumente der deutschen Rohstoffstrategie, wie Exportkreditbürgschaften oder Ungebundenen Finanzkrediten (UFK). Weiterführend gab Sven Hilbig von Brot für die Welt einen Vortag zu menschenrechtlichen Standards für Unternehmen und sprach dabei vor allem die menschenrechtlichen Folgen von Rohstoffabbau an und die Problematik der (inter-) nationalen Rechtslage Menschenrechtsverletzungen anzuklagen. Als weiteren Input- Vortrag gab Anne Flohr vom IASS Potsdam (Institute for Advanced Sustainability Studies) den TeilnehmerInnen einen Einblick in die historische und aktuelle Debatte um Konfliktmineralien und den aktuellen Stand der europäischen Verhandlungen hinsichtlich einer Verordnung zur Regulierung des Handels mit Konfliktmineralien.
Der Nachmittag begann mit einem Rollenspiel, bei dem jedeR TeilnehmerIn eine relevante Rolle in der Rohstoff- Debatte vertrat, die sie/-er in einer gestellten Sitzung der Bundesregierung zum Thema Rohstoffpolitik zum Besten gab. So wurden die unterschiedlichen Positionen von Wirtschaft, Wissenschaft, Politik, Kirchen und nicht zu vergessen der Zivilgesellschaft verdeutlicht.
Abschließend sollte das Augenmerk auf Handlungsmöglichkeiten gelenkt werden, um die TeilnehmerInnen nicht hoffnungslos in das restliche Wochenende zu verabschieden. Dabei wurde die EU-weite Kampagne „Stop Mad Mining“, die bundesweite „Alternative Rohstoffwoche“ und die im Oktober startende Ringvorlesung von INKOTA an der TU Dresden zum Thema „Ressourcen(un)gerechtigkeit“ vorgestellt. Darüber hinaus sammelten die TeilnehmerInnen noch weitere Aktions- und Handlungsvorschläge, die von Briefaktionen an PolitikerInnen über Vertiefung der Zusammenarbeit mit Gruppen aus dem Globalen Süden bis hinzu öffentlicher Beschaffung reichten. Zum Abschluss des Crashkurses 2015 vertiefte Beate Schurath die drei wichtigsten Forderungen der Zivilgesellschaft hinsichtlich der deutschen Rohstoffstrategie: Verringerung des absoluten Gesamtrohstoffverbrauchs, soziale und ökologische Sorgfaltspflichten entlang der gesamten Lieferkette und die Demokratisierung der Rohstoffpolitik.