FoE-Studie zum Ressourcenhunger

Ein aktueller Beitrag auf Spiegel Online macht wieder einmal deutlich, wie die Diskussion über die Nutzung natürlicher Rohstoffe in der Öffentlichkeit häufig geführt wird. Zwei Motive stehen dabei meist im Vordergrund:

1. Der Kampf um Rohstoffe ist ein Spiegelbild der Geopolitik des 19. Jahrhunderts. Großmächte stecken ihre Einflusszonen ab, inventarisiert ihre Rohstoffbestände und versuchen stets und ständig, die Nase vorn zu haben im Wettstreit mit den konkurrierenden Nationen. Hierzulande wird dabei immer wieder gerne der „Ressourcenhunger“ des chinesischen Drachen in erschreckenden Bildern an die Wand gemalt. So titelt auch Spiegel Online:

Metall-Macht China pokert mit raren Rohstoffen

Report and Pressemitteilung von FoEE: Consuming the world's resources - Europe's roles, Europo's responsibilitiesWie eine aktuelle Studie von Friends of the Earth Europe offenlegt, ist das alles zwar schrecklich-schön interessant, geht aber am Kern der Sache völlig vorbei. Die Kernfrage ist nicht, ob Europa sich der skrupellosen Chinesen wird erwehren können. Für die meisten Staaten dieses Planeten ist das Hauptproblem, dem Ressourcenhunger Europas irgendwie zu entkommen. Denn mit etwa 3 Tonnen pro Kopf und Jahr ist die alte Welt ist noch immer der Kontinent mit dem höchsten Netto-Import von Rohstoffen. Ist vielleicht nachvollziehbar, dass man sich in einer solche Spitzenposition stets bedroht fühlt. Gerechtfertigt ist das aber nur, wenn man noch immer die Kategorien des 19. Jahrhunderts als Maßstab anlegt.

2. Wenn der Kampf um die Rohstoffe misslingt, dann ist es bald vorbei mit unserer technologischen Innovationsfähigkeit, dann wird bald wieder auf dem heißen Stein gekocht und sowieso geht in Deutschlands Fabriken dann das Licht aus. Auch Spiegel Online befürchtet:

Sollte der Nachschub einmal abbrechen, dürfte die Welt eine andere werden. Eine Welt ohne Flugabwehrraketen und mit Fernsehern, die keine rote Farbe mehr ausstrahlen können.

Aber genauso, wie der Großteil der Welt sicher gut ohne Flugabwehrraketen und die rote Farbe am Fernseher leben könnte (dann gäbe es eben wieder die gute alte Arschkarte), ist der Verzicht auf (oder zumindest die Einschränkung von) fragwürdige technische Innovationen das, worüber eigentlich geredet werden müsste. Denn wie FoE Europe feststellt, ist der Ressourcenhunger pro Einheit BIP auf der Welt in den letzten 30 Jahren zwar um 30% gesunken, der Rohstoffverbrauch aber insgesamt gestiegen. Und so liegt auch die Schlussfolgerung nahe, dass der wirtschaftliche und politische Ehrgeiz sich darauf konzentrieren sollte, jetzt Maßnahmen und Technologien zur Reduzierung des Verbrauchs umzusetzen. Dies insbesondere deshalb, weil nach FoE-Berechnungen Menschen in den reichen Ländern bis zu zehnmal mehr Rohstoffe verbrauchen als in armen. Wenn man daran was ändern will, dann kann nicht Ressourcenkampf, sondern nur Ressourcensparen die Devise sein.

Auch sonst bietet die FoE-Studie einen interessanten Einblick in die weltweite Nutzung natürlicher Ressourcen – und gerade auch über ihre Gewinnung, die ja gerne verschwiegen wird.

@chrismethmann

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